Hundetraining

Hundetraining mit Herz & Verstand

Hundetraining

Hohe Erwartungen, unvorhergesehene Schwierigkeiten und mittendrin der eigene Hund. Das Hundetraining ist im Leben mit Hund ein wirklich großer und wichtiger Bestandteil. Schließlich soll sich der Vierbeiner bestmöglich an die eigenen Vorstellungen anpassen und unterschiedlichste Situationen erfolgreich meistern, oder? Der gemeinsame Weg gestaltet sich aber insbesondere durch unterschiedlichste Meinungen, eine Vielzahl an Informationen und doch auch gewisse Erwartungen nicht immer einfach… 

Jetzt geht’s um den Hund

Dürfen wir einen Hund in unserem Leben Willkommen heißen, gewinnen im eigenen Leben ganz neue Themen an Bedeutung. Gerade das Training unserer Hunde ist für den gemeinsamen Alltag unabdingbar. So informieren wir Hundehalter*innen uns meist bereits vor der Ankunft des Vierbeiners in seinem neuen Zuhause ausgiebig über die Möglichkeiten, Chancen und etwaigen Herausforderungen im Hundetraining. Spätestens aber wenn der eigene Hund eingezogen ist, spielt das Hundetraining im gemeinsamen Alltag eine wahnsinnig große Rolle. 

Sitz, Platz, Flieg? – Erwartungen im Hundetraining

Die Erwartungen an den eigenen Hund? Hoch, schließlich funktioniert das Training beim Nachbarshund auch einwandfrei. Außerdem liest oder hört man doch auch immer wieder, dass dem Hund von Beginn an klare Grenzen aufgezeigt werden müssen. Sitz, Platz und Bleib sind da erst der Anfang. Aber was können wir denn eigentlich wirklich alles von unseren Hunden erwarten? 

Klar ist, dass wir unseren Hunden im Training nicht alles Erdenkliche beibringen können. So werden unsere Vierbeiner auch in Zukunft weder fliegen noch lesen werden können. Grundsätzlich können wir mit den Vierbeinern aber all das trainieren, was ihnen abhängig von ihren körperlichen Gegebenheiten und ihrer Denkleistung möglich ist. Die einzelnen Themen können unseren Hunden dabei unterschiedlich schwerfallen. Jeder Hund ist mit seinen Veranlagungen und individuellen Bedürfnissen einzigartig. Auch die Umwelt, die Lebenssituation, der Körperbau und das Alter des Hundes spielen hier eine wichtige Rolle. In der Folge kann das Training bei dem eigenen Hund eventuell mehr Zeit und einen kleinschnittigeren Aufbau erfordern als bei anderen.

Im Hundetraining solltest und kannst du deinen Hund also nicht mit anderen Hunden vergleichen, darfst deine eigenen Erwartungen an euren gemeinsamen Alltag gerne hin und wieder hinterfragen und abwägen, welche Themen des Hundetrainings für euch besonders wichtig sind – unabhängig von Meinungen anderer. Denn umgeben von zahlreichen Informationen, Überzeugungen und Berichten kann man sich als Hundemama oder Hundepapa schnell verunsichern lassen oder unter Druck gesetzt fühlen.

Ein anderer Blickwinkel im Alltag

So muss dein Hund also nicht jedes Kommando, welches du womöglich auf Social Media, in einem Buch oder bei anderen Hunden gesehen hast, bis in die Perfektion ausführen können. Stattdessen solltest du den Fokus auf die für euch wichtigen Themen und Signale legen. In der Tat ein etwas anderer, aber wirklich lohnenswerter Blickwinkel auf das Hundetraining. Denn sobald du die für euch wichtigsten Bereiche im Hundetraining festgelegt hast, kannst du diesbezüglich bereits wesentlich einfacher präventiv vorgehen, statt zu versuchen die bereits vorhandenen Probleme erst im Nachhinein zu lösen. 

Viele Hundehalter*innen warten jedoch erst einmal ab und überlegen im Laufe der Zeit, für welche Themen Unterstützung im Hundetraining benötigt wird. Der Gedanke dahinter? Training und insbesondere die Unterstützung wird erst benötigt, wenn der Hund Probleme entwickelt oder unerwünschte Verhaltensweisen zeigt. Ein häufiger Denkfehler, denn ist ein Problem erstmal vorhanden, ist es für uns Hundehalter*innen viel schwieriger, dieses zu lösen. Statt das Verhalten deines Hundes dem Zufall zu überlassen, solltest du also für euch wichtige Themen von Anfang an im Hundetraining priorisieren. Insbesondere auch weil dein Hund in einem halben Jahr nochmal ein ganz anderes Verhalten als in den Anfangswochen zeigen kann.  

Ist dir also beispielsweise wichtig, dass du problemlos Besuch empfangen kannst, wünscht dir mehr Gelassenheit in Hundebegegnungen oder möchtest, dass dein Hund entspannt alleine bleiben kann? Dann warte nicht erst darauf, dass er unerwünschtes Verhalten zeigt, sondern baue direkt ein passendes Training auf. Den Irrglauben, dass Training erst bei dem Vorhandensein von Problemen oder Schwierigkeiten notwendig ist, lassen wir also getrost hinter uns. Denn insbesondere präventiv können und sollten wir unserem Hund eine Anleitung für entsprechende Situationen geben.

Der Weg ist das Ziel

Ein ordentliches Training für entsprechende Situationen aufbauen? Naja, mag vielleicht leichter geschrieben sein, als es dann wirklich im gemeinsamen Alltag mit dem eigenen Hund umzusetzen. Zeit und Geduld sollten hierbei auch wirklich keine Mangelware darstellen. Getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ ist es aber trotzdem, oder gerade deswegen, auch bereits in dieser Zeit wirklich wichtig, die gemeinsamen Momente und Erlebnisse mit dem Hund zu genießen. Und für diesen wahnsinnig schönen, aber manchmal eben etwas holprigen Weg möchten wir euch drei Tipps an die Hand geben: 

Tipps im Hundetraining

Drei Tipps im Hundetraining

  1. Belohnungsbasiertes Training: Warte nicht darauf, dass dein Hund unerwünschtes Verhalten zeigt, sondern belohne und bestätige ihn, wenn er etwas Richtig macht. So können unsere Hunde lernen, was wir uns von ihnen wünschen. Gerade zu Beginn mag das vielleicht etwas schwieriger sein und mehr Aufmerksamkeit erfordern. Letztendlich funktioniert das Hundetraining auf diese Art und Weise aber nachhaltiger und macht doch auch viel mehr Spaß. Das bedeutet jedoch nicht, dass Grenzen und Regeln in der positiven Hundeerziehung keine Rolle spielen und unerwünschtes Verhalten einfach ignoriert werden sollte. Vielmehr liegt der Fokus in eurem Training und Zusammenleben darauf, dass die positiven und erwünschten Verhaltensweisen bestätigt bzw. verstärkt werden. Wie es nachhaltig funktioniert, Regeln und Grenzen im gemeinsamen Alltag mit dem eigenen Hund zu etablieren? Diesem wichtigen Thema widmen wir uns ausführlich in unserem Webinar: „Grenzen setzen –  fair und effektiv“.
  2. Management: Sollten im gemeinsamen Alltag Probleme auftauchen, mit welchen du vielleicht nicht gerechnet hast, drücke durch Managementmaßnahmen die Pause-Taste. Dein Hund kann nicht alleine bleiben? Dann sollte es in der nächsten Zeit auch nicht dazukommen und parallel nach einem passenden Hundetraining bzw. Unterstützung gesucht werden. Dadurch wird die Situation zwar vorerst nicht besser, aber – noch wichtiger – auch nicht schlechter! 
  3. Unterstützung: Die passende Unterstützung kann für einige Situationen und Themenbereiche unfassbar hilfreich und auch teilweise unverzichtbar sein – gerade um im Hundetraining präventiv vorzugehen. Sich dafür das notwendige Wissen anzueignen, kann aber durch das Gewirr aus unterschiedlichsten Meinungen und Informationen wirklich schwierig sein…

Online Hundetraining mit Herz und Verstand ein Leben lang

Meinungen und Anleitungen, die oftmals gar nicht alle zusammen passen, aus unterschiedlichen Philosophien stammen und teilweise auch veraltet oder nicht praktikabel in der Umsetzung sind. Die Folge? Viele Hundehalter*innen sind sich unsicher, welchen Trainingsansatz sie verfolgen sollen. Daher haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Hundehalter*innen zu einzelnen Themen das nötige Wissen zu vermitteln. So erhalten Hundehalter*innen selbst ein Gespür für das Training und die Hintergründe von diesem bekommen. Das Webinar-Format ermöglicht uns, gezielt einzelne Situationen auszuwählen, zu betrachten und Hundehalter*innen tiefgehende Informationen für das Hundetraining an die Hand zu geben. 

FIFFI & STRUPPI ist also deine Learning Plattform rund um das Thema des ganzheitlichen und gewaltfreien Hundetrainings. Wir möchten dir neue Möglichkeiten und Perspektiven im Zusammenleben mit deinem Hund aufzuzeigen. So wollen wir dich dazu anregen, deinen Hund im Ganzen mit all seinen Facetten, Bedürfnissen, Motivationen und auch Unsicherheiten zu betrachten. Denn unserer Meinung nach es ist längst Zeit für eine andere, wohlwollendere Art und Weise der Hundeerziehung.

Dafür werden auf unserer Website Webinare angeboten, in welchen unsere Referent*innen ihr Wissen zu ihren jeweiligen Expertengebieten mit dir teilen. Dadurch wird dir die direkte Anwendbarkeit im Alltag mit deinem Hund ermöglicht. Unser Ziel? Dass du zwischen einer Vielzahl an Meinungen zum Hundetraining, selbst die besten Entscheidungen für dich und deinen Hund treffen kannst. Egal, ob du live mit dabei bist oder dir die Webinare on-demand ansiehst – du baust dir deine ganz eigene Mediathek auf und kannst in deinem Kundenkonto langfristig auf die Inhalte zugreifen.

Kurz gesagt? Online Hundetraining mit ganz viel Hundeliebe und basierend auf wissenschaftlich fundierten Fakten. Eine Plattform, welche dich auf dem gemeinsamen Weg mit deinem Hund von Anfang bis Ende durch unterschiedlichste Themenbereiche begleitet. Eben mit Herz und Verstand ein Hundeleben lang.

Körpersprache

Hundesprache – eine Kommunikation der etwas anderen Art

Hundesprache

Den eigenen Hund verstehen

Englisch, Italienisch oder auch Hündisch – Sprachen zu verstehen, erfordert viel Fleiß, Ausdauer und birgt doch auch immer wieder kleinere und auch größere Missverständnisse. Auch die Hundesprache ist dabei keine Ausnahme. Denn unsere Hunde zu verstehen und deren Körpersprache richtig zu deuten ist wesentlich schwieriger als man vielleicht im ersten Moment meinen möchte. So umfasst auch die Hundesprache Potenzial für Missverständnisse und tatsächlich auch gewisse Mythen, die sich hartnäckig halten. 

Die Körpersprache unserer Hunde

Mit dem eigenen Hund zu reden gehört für uns Hundehalter*innen oftmals zum gemeinsamen Alltag dazu. Der Wunsch, der Vierbeiner könnte antworten, ist dabei bestimmt schon das ein oder andere Mal aufgekommen. Statt vieler Worten und langer Reden ist aber die Körpersprache unserer Hunde die wichtigste Form der Hundesprache. Eine Kommunikation, die doch so viel mehr ist als ein wedelnder Schwanz oder angelegte Ohren.

Wunderwerk Hundesprache

So kommunizieren unsere Hunde sehr fein und nutzen in der Hundesprache alles, was ihnen körperlich gegeben ist. Ihre Muskeln, Haut bzw. Haare, ihre Augen, den Mund, die Rute, die Körperstellung, den Körperschwerpunkt und noch vieles mehr. Die Körpersprache unserer Hunde ist also wahrlich ein Wunderwerk und schon im frühen Hundealter lernen unsere Vierbeiner die feinen Nuancen zu deuten. Gerade durch die rassebedingten Unterschiede im Körperbau kommt es aber auch unter Hunden zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen. Wenn also bereits unsere Vierbeiner hin und wieder über ihre eigene Kommunikation stolpern, wie sollen wir Menschen dann die Hundesprache verstehen?  

Hinweis: Auch Hunden ist es nicht angeboren, sich untereinander blind zu verstehen. So dürfen junge Hunde und Welpen auch lernen, was gewisse Singale und Verhaltensweisen bedeuten und wie sie sich daraufhin verhalten können.

Wuff, wuff, was? – Das weit verbreitetste Missverständnis in der Hundesprache 

Die Hundesprache hält in der Tat weitaus mehr bereit, als die gängigen Medien es erscheinen lassen. Unsere Hunde kommunizieren sehr subtil und ein Großteil ist für uns Menschen kaum sichtbar bzw. erfordert eine entsprechende Schulung. Wie bei anderen Sprachen lernt man auch in der hündischen Kommunikation nie aus und so kommt es immer wieder zu grundlegenden Missverständnissen in der Hundesprache. Das wohl am weitesten verbreitete?

scheinbar lachende Hunde

Ein lachender Hund. Super süß, oder nicht? Offener Mund, zugekniffene Augen, angehobene Mundwinkel. Gesichtszüge, die wir Menschen als Lachen verstehen und nur all zu gerne auch auf unsere Hunde übertragen. Vermeintlich zusehen in unterschiedlichsten Bildern, kommuniziert in zahlreichen Medien und trotzdem eine gänzliche Missinterpretation der Hundesprache. Statt einem vermeintlichen Hundelächeln zeigen die Hunde tatsächlich ein klassisches Stressgesicht. Oftmals ausgelöst durch die für unsere Hunde anstrengenden Shooting Situationen. Auch Hitze oder Wärme kann für den Hund ein Stressor sein und so können Bewegung in der Sonne oder hohe Temperaturen dazu führen, dass wir bei unseren Hunden ein Stressgesicht erkennen. So deuten zugekniffene Augen, eine angespannte Zunge und ein weit geöffnetes Maul womöglich darauf hin, dass dem Hund zu warm ist oder er erschöpft ist. 

Merkmale und Signale eines gestressten Hundes

Entgegen der weit verbreiteten Annahme lächeln uns hier also keine Hunde entgegen, aber woran kann man denn einen gestressten Hund erkennen? Tatsächlich gibt es klassische Merkmale, die ein Stressgesicht bei Hunden charakterisieren: 

Hundesprache verstehen
  1. Weit aufgerissene oder zusammengekniffene Augen
  2. Angespannte Gesichtsmuskeln
  3. Weit offener Fang, lange Maulspalte, man sieht Backenzähne
  4. Angespannte Zunge, biegt sich wie ein Löffel nach oben
  5. Nach hinten angelegte oder aufgerichtete Ohren

Diese Merkmale können von Hund zu Hund leicht variieren und müssen nicht immer gleichermaßen ausgeprägt oder vorhanden sein. Deshalb ist es sehr hilfreich, den eigenen Hund in unterschiedlichsten Situationen und Erregungsleveln zu beobachten. Dadurch können wir ein besseres Verständnis dafür entwickeln, an welchen Merkmalen man die Körpersprache des eigenen Hundes am besten deuten kann und die Augen für die individuelle Hundesprache schulen.

Weitaus mehr als Ansichtssache – Unsere Hunde verstehen lernen

Denn auch wenn es für uns Menschen auf den ersten Blick nicht direkt sichtbar oder verständlich ist, geben unsere Hunde uns durch die Körpersprache klar zu verstehen, was sie uns sagen möchten. Dabei kommunizieren unsere Hunde generell lange Zeit sehr deeskalierend bevor sie tatsächlich in einen Konflikt gehen. Und auch wenn das individuelle Verhalten unserer Hunde zwar durch vorherige Erfahrungen, die Genetik und die Umwelt beeinflusst wird, ist die gesamte Hundesprache auf diese Deeskalation ausgerichtet. Wird die Kommunikation unserer Hunde jedoch über längere Zeit übergangen, nicht bemerkt oder berücksichtigt, werden auch unsere Vierbeiner vehementer in ihrer Sprache. Die Körpersprache unserer Hunde richtig zu deuten und Hundesprache zu verstehen ist somit für unseren Alltag und das Zusammenleben mit dem eigenen Vierbeiner wirklich wichtig, ein kontinuierlicher Prozess und weitaus mehr als nur persönliche Ansichtssache. 

Du möchtest deinen Hund besser verstehen, in die Tiefen der Hundesprache einsteigen und sowohl die Grundlagen als auch die Feinheiten der Körpersprache von Hunden kennen? Dann möchten wir dir gerne unsere beiden Webinare zur Körpersprache ans Herz legen:

Hundeerziehung

Was ist faires Hundetraining?

Faires Hundetraining

Ein Begriff – mehrere tausend Ergebnisse

167.000 Ergebnisse – mit einer Recherche zum Begriff des fairen Hundetrainings begeben wir Hundehalter*innen uns in ein wahres Dickicht an Informationen, welches Tag für Tag weiter anwächst. Faires Hundetraining ist längst nicht mehr nur noch unter gewaltfrei arbeitenden Hundetrainer*innen weit verbreitet und auch bei FIFFI & STRUPPI ist die Fairness als grundlegender Wert fest verankert. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter fairem Hundetraining? 

Faires Hundetraining

Faires Hundetraining bedeutet für uns, dass auf dem gemeinsamen Weg mit unseren treuen Gefährten der Wissensstand, die Fähigkeiten, Grenzen und das Wohlbefinden aller Beteiligten, also der Hunde, des Menschen und der Umwelt, berücksichtigt werden. 

Alles dreht sich um den Hund?

Im Mittelpunkt des fairen Hundetrainings stehen natürlich unsere Hunde. Dabei haben Hundehalter*innen und Hundetrainer*innen gewisse Erwartungen an die Hunde und auch bestimmte Ziele die im Rahmen des Hundetrainings verfolgt werden. Auch unter dem Blickwinkel der Fairness müssen und sollten wir diese nicht außer Acht lassen. Jedoch ist es uns dabei sehr wichtig, die Hunde individuell zu betrachten. Denn es ist nur fair unseren Hunden entsprechend ihres Trainingsstandes und ihrer Lebensphase gegenüber zu treten. Wir wollen unsere Hunde nicht überfordern und respektieren ihre Grenzen, die sie uns doch meist in aller Klarheit vermitteln.

Wir erkennen also die Bedürfnisse unseres Hundes an, die auch nicht immer zu 100% mit unseren eigenen übereinstimmen. So können wir nicht erwarten die Grenzen unseres Hundes immer wieder und wieder übertreten zu können. Stattdessen sollten wir Grenzen bei Bedarf durch einen entsprechenden Umgang mit unseren Hunden und ein passendes Training verschieben. Das Training ist dabei belohnungsbasiert aufgebaut. Das heißt wir belohnen erwünschtes Verhalten, das der Hund von sich aus zeigt und warten nicht erst bis unerwünschtes Verhalten auftritt. Ein Perspektivwechsel, der nicht nur nachhaltiger funktioniert, sondern unserer Meinung auch viel mehr Spaß macht – nicht nur den Hunden, sondern auch uns Menschen!

Denn im fairen Hundetraining geht es eben nicht nur um unsere Hunde, sondern auch um uns Hundehalter*innen. Ein freundlicher, rücksichtsvoller und emphatischer Umgang ist auch für die Menschen unabdingbar. Der Trainingsplan sollte zu uns Menschen passen und unsere individuellen Umstände berücksichtigen. Lediglich die Bedürfnisse des Hundes in den Vordergrund zu stellen und sich selbst zu vergessen bringt uns nämlich auch nicht weiter – zumindest nicht auf längere Sicht. 

Mehr als nur ein Begriff

Zuletzt ist es aber auch wichtig, dass in der Umwelt niemand gestört wird oder zu Schaden kommt. Das kann Wildtiere, andere Hunde aber auch Menschen betreffen, die womöglich Angst vor Hunden haben oder einfach ungerne angesprungen werden wollen. Dabei sollten wir nicht Kraft darauf verschwenden, die Umwelt erziehen zu wollen. Stattdessen sollten wir uns damit beschäftigen, wie und wo wir bei uns selbst ansetzen können, sodass wir letztendlich das beste Ergebnis für alle erzielen können. Denn im Grunde können wir nun einmal nur einen Unterschied machen, wenn wir uns selbst verändern und nicht erwarten, dass die Umwelt sich so verändert, wie wir es gerne hätten. 

Puh, nachdem wir nun hoffentlich etwas Licht in das Dickicht rund um den Begriff des fairen Hundetrainings bringen konnten, erwarten uns zum Ende doch ganz schön tiefsinnige Worte. Wie die 167.000 Ergebnisse bereits vermuten ließen, steckt hinter dem fairen Hundetraining also im besten Fall doch deutlich mehr, als nett zu unseren Hunden zu sein – aber wir finden, dass das doch bereits ein wirklich toller erster Schritt ist!

Welpenspielstunden – Chancen & Risiken

Ein Welpe im Haus

Es ist soweit – das neue Familienmitglied ist eingezogen, gewöhnt sich langsam an das neue Zuhause und hält vor allem in den ersten Monaten alle auf Trapp. Jetzt möchte man bloß nichts falsch machen und gleich von Anfang den richtigen Weg gemeinsam mit seinem Vierbeiner einschlagen. Eine geeignete Hundeschule wurde vielleicht bereits ausgewählt, aber werden nicht auch Welpenspielstunden immer wieder als äußerst sinnvoll beschrieben?

Nur wer sein Ziel kennt, findet seinen Weg

Wir Hundehalter*innen verfolgen meist bestimmte Ziele, die hinter unserem Verhalten und dem Gang zur Hundeschule stehen. So verfolgen wir auch mit Welpenspielstunden ein konkretes Ziel und würden wir eine Art Wunschzettel schreiben, würde dieser wahrscheinlich in etwa so lauten:  Ein sozialisierter Hund, der entspannt und freundlich in Hundebegegnungen bleibt. Sollte das Spielen oder Kontakten mit einem anderen Hund nicht möglich sein, sollte der eigene Hund entspannt vorbei gehen können. Wenn es in der Situation möglich ist, darf er gerne in ein freundliches Spiel einsteigen, sollte aber weiterhin abrufbar sein. Ja, das klingt super, ist realistisch und ein Ziel, welches wir gerne weiterhin verfolgen dürfen. 

Die Welpen sind los

In Welpenspielstunden soll also genau das unseren Hunden mit auf den Weg gegeben werden. Jedoch wird entgegen der Erwartung genau das in den Spielstunden nicht beigebracht, sondern vielleicht sogar das genaue Gegenteil. Dabei sind unsere Hunde natürlich sehr individuell und können dementsprechend auch sehr unterschiedlich auf die Situation reagieren, aber lasst uns mal gemeinsam den typischen, vielleicht etwas überzogenen Ablauf einer Spielstunde skizzieren und überprüfen, welche Risiken dahinter stecken können. So sind in einer Welpenspielstunde meist mehr als 10 sehr aufgeregte Welpen vor Ort. Sobald die Gruppe vollständig ist, werden die Leinen abgenommen und die Welpen spielen, rennen und toben sich gemeinsam zur selben Zeit aus. Was lernen unsere Hunde jetzt in dieser Umgebung? 

Nur Spiel und Spaß?

Unsere Hunde sind zu Beginn wahrscheinlich etwas überfordert und werden den Ort als extrem aufregend empfinden. Zu viele Hunde, zeitgleiches Rennen, Spielen über einen längeren Zeitraum und insgesamt viel Trubel – insgesamt ein sehr hohes Erregungslevel. Unsere Hunde verknüpfen dieses Erregungslevel und ihre Emotionen mit Orten und den vorhandenen Reizen, also in diesem Fall den anderen Hunden. Eine mögliche Folge ist es, dass der eigene Hund auch in Situationen außerhalb der Spielstunde überdreht und aufgeregt auf andere Hunde reagiert. Hundebegegnungen sind dann geprägt von Erregung und Aufregung. Das kann sich schon im Welpenalter zeigen oder auch erst als Junghund sichtbar werden. 

Ein anderes Problem ist die Betreuung durch Trainer*innen, die aufgrund der hohen Anzahl an Welpen vor Ort sind. Wenn einige Hilfspersonen im Rahmen einer Welpenspielstunde benötigt werden, ist es in der Folge bereits zu hinterfragen, ob nicht zu viele Welpen vor Ort sind. Während einige Hundeschulen die Welpen in einzelne Gruppen separieren, um dadurch die Gruppengröße zu reduzieren, sollte man auch hier die Situation kritisch hinterfragen und auf das eigene Bauchgefühl hören: Handelt es sich um ein ruhiges Setting oder ausschließlich Trubel und Gerangel? Gerade in den Spielstunden ist auch immer wieder zu beobachten, dass die Helfer*innen das Treiben beobachten, aber auch konkret eingreifen. Welpen werden festgehalten, gegriffen oder hochgehoben und aus der Situation genommen. In der Folge können die Hunde schreckhaft und/ oder abwehrend gegenüber Armen, Händen, dem Anfassen oder Hochheben reagieren. Insbesondere Hunde aus dem Auslandstierschutz haben oftmals eine Tendenz dazu, so etwas als sehr unangenehm zu empfinden. Da es sich außerdem bei den Hilfspersonen nicht immer um vollausgebildete Hundetrainer*innen handelt, darf man hier gerne freundlich nachfragen, um die Situation besser einordnen und eine eigene Entscheidung treffen zu können.

Gewinnbringende Gestaltung

Das bedeutet jetzt aber nicht, dass alle existierenden Spielstunden schlecht sind, aber wir dürfen unser ursprüngliches Ziel der entspannten Hundebegegnungen nicht aus den Augen verlieren. Deshalb sollten die Spielstunden nur in kleinen Gruppen, zwischen maximal vier bis sechs Hunden stattfinden. Im besten Fall handelt es sich dabei um eine feste Gruppe von Hunden, die sich kennenlernen und gemeinsam wachsen können – im übertragenen und nicht übertragenen Sinne. Mit deutlich weniger Aufregung sollen die Hunde auch nebeneinander und in Anwesenheit voneinander entspannen. Bei Spielsequenzen kann es auch sein, dass nicht alle Hunde gleichzeitig abgeleint werden, sondern die Hunde entsprechend ihrer Größe und ihres Gemüts zusammengebracht werden. Die Hundehalter*innen sollten gut aufgeklärt und angeleitet werden, sodass sie auch selbst auf ihre Hunde Acht geben und reagieren können. Unser initiales Ziel der entspannten Hundebegegnungen und eines entspannten sozialen Spieles, wird im besten Fall nicht über Action erreicht und so sind genau die Spielstunden für unsere Hunde optimal, welche wir Hundehalter*innen eher als langweilig empfinden. Denn man bekommt, was man verstärkt. 

Drei Tipps zum Schluss

Zum Schluss folgen nun noch drei Tipps für den gemeinsamen Weg mit deinem neuen Familienmitglied. So solltest du stets deine Ziele überprüfen und im Hinterkopf behalten. Wie soll sich dein Hund später an der Leine verhalten? Eine Hundebegegnung mit viel Erregung und Spiel oder ein Hund, der entspannt und ansprechbar bleibt? Hinterfrage kritisch, was in den Spielstunden vermittelt wird und was dein Hund dabei lernt. Als zweiter Tipp bietet es sich an, einen Hund in der Nachbarschaft zu suchen, mit welchem man gemeinsam spazieren gehen kann. Sollte das Gemüt des Hundes zu deinem Hund passen, kann auch Alter und Größe variieren. Am besten integrierst du die Begegnung in einen Spaziergang, um ein statisches Setting zu vermeiden. Der Fokus liegt nicht nur auf dem Spiel, sondern die Hunde dürfen an der Schleppleine gerne die Welt gemeinsam erkunden. Zuletzt ist es wichtig, dass es sich auch bei Begegnungen aus der Ferne ohne Nahkontakt um Hundebegegnungen handelt. Die Hunde nehmen den anderen Hund trotzdem wahr, versuchen zu kommunizieren, schnuppern und sind involviert. So kommt es, dass sich vor allem die Hunde in einem städtischen Umfeld am Tag in eher zu vielen als zu wenigen Begegnungen wiederfinden. In solchen Momenten kannst du deinem Hund gerne beibringen, dass er die Hunde aus der Ferne ansehen, sich aber in solchen Momenten trotzdem an dir orientieren kann. Es sollten entspannte und ruhige Begegnungen sein, für die ihr euch Zeit nehmt, auch wenn sie nur in der Ferne stattfinden.

„Bitte lass mich nicht allein“ – wieso Hunde Trennungsstress empfinden

Alleinbleiben im Alltag

Im Alltag mit Hund ist es unabdingbar, dass wir diesen hin und wieder alleine zu Hause lassen können. Denn zum Einkaufen, ins Kino oder zum Arzt können wir unsere Hunde natürlich nicht mitnehmen. Und genau in solchen Situation ist es sehr angenehm zu wissen, dass der eigene Hund einen nicht vermisst, sondern die Zeit alleine für ein ruhiges Nickerchen nutzt.

Leider ist das nicht bei allen Hunden der Fall und genau dann tritt das Gegenteil ein – mit schlechtem Gewissen und komischem Bauchgefühl verlässt man das Haus und hofft, dass es für den Hund nicht ganz so schlimm sein wird. Doch wie viele Gedanken müssen wir uns eigentlich wirklich machen und was steckt hinter Trennungsstress? 

Gefährliche Missverständnisse

Das Thema Trennungsstress und Trennungsangst geht leider mit einigen Missverständnissen einher. Nicht selten wird davon gesprochen, dass Hunde, die nicht alleine bleiben können ihre Menschen kontrollieren wollen oder ihnen nicht zutrauen ohne sie zurecht zu kommen. Vermeintlich aus Trotz oder Wut wird dann die Wohnung zerlegt und sich auf den Wohnzimmerteppich erleichtert.

Doch diese Interpretationen sind stark vermenschlicht und werden unseren Hunden in keinster Weise gerecht, sondern drücken ihnen grundlos einen negativen Stempel auf.

Wir wissen, dass Soziale Isolation im Gehirn im selben Areal verarbeitet wird, wie körperlicher Schmerz. Anders gesagt: das Gehirn verarbeitet Trennungsstress ähnlich wie körperlichen Schmerz. Wenn unsere Hunde also ein Problem mit dem Alleinbleiben haben, dann ist das absolut keine Lappalie, sondern gegebenenfalls ein starker, wiederkehrender Stressor, der das Wohlbefinden des Hundes nachhaltig beeinflusst.

Natürlich gilt das nicht pauschal für das Alleinbleiben: Trennungsstress setzt an dem Punkt an, an dem man sich ausgeschlossen und isoliert fühlt und verzweifelt auf die Rückkehr der Sozialpartner*innen wartet.

Unsere Hunde sind hochsoziale Lebewesen und grundsätzlich auf das Leben in einer Gruppe bzw. einem Sozialverband ausgerichtet. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Hunde Trennungsstress empfinden, denn erst einmal möchten sie die Bindung und Verbindung zu ihren Bezugspersonen aufrecht erhalten und möchten ihnen folgen oder sie zu sich rufen. Wenn beides nicht zum Erfolg führt, dann kann das zu Trennungsstress oder – angst führen.

Wann sollte ich hellhörig werden?

Grundsätzlich sollte das Thema Alleinbleiben von Anfang an gut geplant und vorbereitet werden, denn genau das kann man sehr gut präventiv machen und erspart sich und seinem Hund damit viel Stress und Leid.

Wenn der Hund bereits regelmäßig allein bleibt, dann sollte man auf folgende Hinweise achten:

  • Der Hund kratzt an Türen, Fensterrahmen, Wänden oder zerstört die Einrichtung
  • Der Hund erleichtert sich in der Wohnung, obwohl er grundsätzlich stubenrein ist
  • Jaulen, Bellen, Unruhe sind klassische Hinweise
  • Der Hund freut sich über alle Maße und ist sehr aufgeregt, wenn man zurückkommt und braucht einige Zeit, bis er sich wieder beruhigt
  • Der Kauknochen, den man zur Erleichterung gegeben hat wird erst angerührt, wenn man wieder beim Hund ist
  • Der Schlafplatz wird häufig gewechselt, der Hund reagiert auf kleinste Geräusche mit Aufhorchen und ist immer auf die Türe ausgerichtet, um auf keinen Fall die Rückkehr zu verpassen
  • Der Hund hat nasse Körperstellen, da er sich oder einen Zweithund stark ableckt

Der Irrglaube der Gewöhnung

Es existiert ein großer Irrglaube über den Aufbau des Alleinbleibens, denn die Anleitung lautet häufig: Hund in kleinen Sequenzen an das Alleinbleiben gewöhnen, also zuerst eine Minute weggehen, und diese Zeit dann nach und nach steigern. Dabei aber erst wieder in die Wohnung oder das Zimmer gehen, wenn der Hund ruhig ist und nicht wenn er bellt oder jault. Außerdem dürfe man sich weder verabschieden, noch begrüßen.

Die Gefahr an dieser Anleitung ist leider vielschichtig: die geplante Gewöhnung funktioniert nur, solange sich der Hund in angenehmen Emotionen befindet, ansonsten tritt das Gegenteil ein – eine Sensibilierung, der Hund reagiert also immer feinfühliger auf soziale Isolation.

Warum existiert diese Anleitung dann immer noch so häufig? Sie funktioniert scheinbar häufig, denn viele Hunde leiden im Stillen oder ergeben sich irgendwann ihrem Schicksal, so dass man ihren Trennungsstress nicht unmittelbar erkennen kann. Was bleibt ist, dass das Alleinebleiben ein nicht zu unterschätzender Stressor ist.

Entspannung ist die Lösung

Aber was kann man nun machen? Bringe deinem Hund bei, dass er auch ohne dich entspannen kann. Das ist sowohl für Welpen und Junghunde wichtig, als auch zum Alleinbleiben. Denn wie soll ein Hund 4 Stunden entspannt alleine bleiben können, wenn er es noch nicht einmal aushält eine Stunde lange keine Aufmerksamkeit von dir zu bekommen?

Vorbeugen ist viel besser und einfacher als zu warten, ob der Hund ein Problem entwickeln wird und es dann im Nachhinein auszubügeln. Daher direkt mit einer erfolgsversprechenden Anleitung aufbauen. Dann ist es oft bereits möglich Junghunde oder sogar Welpen zeitweise allein zu lassen, weil sie wissen, dass sie diese Zeit nutzen können um sich in Ruhe auszuschlafen.

Alleinebleiben übt man nicht in dem man die Wohnung verlässt, das Training startet mit einem individuell abgestimmten Entspannungstraining zuhause während man sich im selben Zimmer befindet, dann in einem anderen Zimmer und irgendwann verlässt man die Wohnung. Daher kann und sollte man damit bereits im Welpenalter starten bzw sobald ein Hund bei dir einzieht oder du das Thema angehen möchtest.

Möchtest du mehr über den Aufbau des Alleinbleibens erfahren? Dann schau dir gerne unser Webinar „Wie Du es schaffst, dass Dein Hund entspannt allein bleibt“ (inkl. schriftlichem Trainingsplan) an:

Spaziergang mit vertauschten Rollen

Der tägliche Spaziergang

Das Halsband ist angelegt, die Hundebeutel sind eingepackt und vielleicht wartet der eigene Hund auch schon mit wedelndem Schwanz bereit für ein Abenteuer vor der Tür. Ein so häufiges Ritual und doch verfallen wir wie viel zu oft in Überlegungen. Sollen wir heute mal wieder den Ball mitnehmen, die liebste Hundefreundin treffen oder noch eine Trainingsrunde auf der nächstgelegenen Grünfläche einlegen? Während unser Vierbeiner nichts von unserer Grübelei mitbekommt und in Gedanken wahrscheinlich schon bei den flinken Mäusen am Wegesrand oder der doch so verlockenden und natürlich extra dreckigen Pfütze auf der durchnässten Wiese ist, haben wir den Wunsch, die tägliche Spazierrunde für uns und unseren Hund so schön wie möglich zu gestalten. Spaziergänge mit unserem kleinen oder großen Begleiter sind etwas ganz besonderes. Sie bieten uns eine tolle Möglichkeit, in dem sonst so hektischen Alltag einen Moment der Ruhe zu finden und unsere Gedanken schweifen zu lassen. Jedoch stellt sich uns  dabei oftmals die Frage, ob der eigene Hund mit den ausgewählten Strecken und der täglichen Beschäftigung tatsächlich ausgelastet ist. Wir suchen nach neuen Anregungen und Impulsen zum Thema Spaziergang. Dementsprechend wird im folgenden Beitrag eine Idee für Spaziergänge vorgestellt, welche uns und unserem Vierbeiner Spaß macht, sich an den Bedürfnissen unserer Hunde orientiert und sich bestenfalls positiv auf deren Entwicklung und Verhalten auswirkt. 

Alles eine Sache der Perspektive

Jedoch müssen wir dafür dem weiterverbreiteten Mythos, dass Hunde nicht selbst entscheiden dürfen, entgegentreten. Gerade in unserem Alltag sind wir Hundehalter*innen vor allem mit der Aufgabe beschäftigt die eigenen Hunde zu erziehen. Immer wieder bekommt man dabei zu hören, dass strikte Regeln und Grenzen erforderlich sind. So wird oftmals akribisch darauf geachtet, den Hunden immer das Richtige und auf keinen Fall eine Unart beizubringen. Aber was wäre, wenn unsere Hunde tatsächlich einmal die Möglichkeit bekommen, eigene Entscheidungen zu treffen? Im schlimmsten Fall würden wir bedürfnisorientiert handeln und einen gut gelaunten Hund an unserer Seite haben. Und das ist doch garnicht so übel, oder? Es kommt also ganz auf die Betrachtungsweise an und dementsprechend wollen wir euch nun die Idee des Spaziergangs mit vertauschten Rollen an die Hand geben. Normalerweise verlaufen die täglichen Spaziergänge mit dem eigenen Hund entlang einer festen Strecke, aber manchmal entscheidet man auch situativ, welchen Weg man einschlagen möchte. Oftmals wird die Lieblingsrunde übers Feld gewählt, der nächste Park angesteuert oder vielleicht liegt ja sogar idealerweise die Lieblingseisdiele auf dem Weg. Natürlich kann es aber auch sein, dass mal nicht so viel Zeit ist, der nächste Termin schon ansteht und die Runde etwas kleiner ausfällt. Jedenfalls ist eines immer gleich: Wir Hundehalter*innen bestimmten im wahrsten Sinne des Wortes, wo es lang geht und das ist natürlich auch völlig in Ordnung. Bei diesem Spaziergang vertauschen wir nun aber die Rollen und überlassen die Entscheidung unseren Hunden. Die Abmachung dabei ist, den Weg gemeinsam entlang zu laufen und bei jeder Weggabelung oder Kreuzung die Entscheidung an den Hund abzugeben. Wir müssen lediglich den Startpunkt des Spaziergangs bestimmen und im zweiten Schritt unseren Vierbeiner dazu motivieren den Weg auszuwählen und dessen Signale richtig deuten. 

Ordnung muss sein

Das erscheint für die meisten Hundehalter*innen erstmal sehr einfach, da der Hund während Spaziergängen meist eh eine bestimmte Richtung anstrebt –  natürlich in die genau gegensätzliche, versteht sich. Tatsächlich ist es jedoch häufig zu beobachten, dass es für die Hunde sehr schwierig ist, eigene Entscheidungen zu treffen, nachdem wir Hundehalter*innen das in der Vergangenheit immer für sie übernommen haben. Durch unsere Erziehungsmethoden warten sie oftmals ab, was wir ihnen vorgeben und orientieren sich sehr stark an uns. Das wird sich nun auch in dieser Übung bemerkbar machen. Damit wir unseren Hund bei der Entscheidung unterstützen und diese richtig deuten können, bietet es sich an, bei einer Ampel oder Kreuzung hinter dem Hund stehen zu bleiben und beim Loslaufen zu beobachten, in welche Richtung der Hund möchte. Sollte man auf dem ausgewählten Weg nicht notwendigerweise anhalten müssen, kann man die Geschwindigkeit leicht reduzieren, sich hinter den Hund zurück fallen lassen und etwas versetzt zueinander weiterlaufen. Man sollte darauf achten, dass die Leine locker gehalten und dem Hund genug Freiraum gegeben wird, um seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Sollte dieser verunsichert stehen bleiben, können wir durch ein bis zwei Schritte in eine Richtung testen und beobachten, wie freudig unser Hund uns begleitet. So merkt man recht schnell, welche Richtung priorisiert wird und lernt den eigenen Vierbeiner besser kennen und lesen. Dabei geht es jedoch nicht darum, den Spaziergang in ein Chaos ausarten zu lassen, sich quer durch die Gegend oder das nächste Gebüsch ziehen zu lassen und dadurch am Ende vielleicht in Nachbars Garten zu stehen. Es ist selbstverständlich, dass wir die üblichen Gepflogenheiten während des Spaziergangs beibehalten und andere Menschen und Hunde weiterhin berücksichtigen und respektieren. Somit müssen wir also nicht alle Erziehungsthemen oder jegliche Interaktion mit dem Hund über Bord werfen und können beispielsweise trotzdem auf Leinenführigkeit achten und unseren Hund auf das Ende der Leine hinweisen. 

Die kleinen und großen Entdecker

Gleichzeitig dürfen unsere Hunde den Weg wählen, wodurch der Spaziergang mit vertauschten Rollen sehr bedürfnisorientiert ist. So individuell wie unsere Vierbeiner dabei sind, kann sich diese Art des Spaziergangs auch auf unsere Hunde auswirken. Viele Fellnasen werden zu kleinen oder großen Entdeckern, die sich darüber freuen, die Welt in ihrer Geschwindigkeit und auf ihre Art und Weise erkunden zu dürfen. Wiederum andere können durch dieses Spiel in einer Umgebung, in welcher sie sich oftmals unsicher oder unwohl fühlen, Selbstsicherheit erlangen. Demnach folgen manche Hunde den üblichen Spazierrunden vielleicht gemächlich und eher lustlos, aber erforschen die Welt nun durch die gewonnene Entscheidungsfreiheit sehr begeistert und in deutlich erhöhter Geschwindigkeit. Einige Hunde werden also auf den Spaziergängen wesentlich freudiger und mutiger, andere ruhiger und ausgelassener. Dabei teilen aber alle die Freude an den Spaziergängen auch nur all zu gerne mit uns. Denn während die Hunde schwanzwedelnd Entscheidungen treffen, haben wir das große Glück, unsere Entdecker dabei beobachten zu dürfen. Und das ist nicht nur richtig schön, sondern tatsächlich auch in gewisser Weise berührend. 

Unser Resümee

Ein Spaziergang mit vertauschten Rollen hat somit viele verschiedene Vorteile und kann als eine Art Spiel gesehen werden, welches man doch ab und zu in den Alltag integrieren kann. Der Hund lernt dadurch zu entscheiden und diese Entscheidung auch sichtbar zu machen. In der Regel bekommt unser Vierbeiner gute Laune, da er durch die Möglichkeit der eigenen Entscheidung auch etwas weniger Frust erlebt. Aber auch wir profitieren von dieser Art des Spaziergangs. Wir lernen die Körpersprache unseres Hundes und auch dessen Vorlieben besser kennen. Oftmals trifft der Hund überraschende Entscheidungen und wählt unerwartete Wege. So lernt man neue Orte kennen und kann die altbekannte oder vielleicht nach einem Umzug noch unbekannte Gegend auf eine ganz besondere Weise entdecken. Dem Hund die Entscheidung zu überlassen ist dabei nicht so einfach, wie es im ersten Moment klingen mag und benötigt vielleicht zu Beginn ein klein wenig Überwindung. Der Gedanke daran sollte nun jedoch hoffentlich nicht mehr ein ungutes Bauchgefühl, Zweifel oder sogar Angst bei euch hervorrufen. So könnt ihr diesen Beitrag als kleinen Stupser ansehen, die Welt auch mal aus den Augen eures treuen Vierbeines zu betrachten, denn machmal muss man eben die Perspektive wechseln, um den Himmel zu sehen, nicht wahr? 

Entspannungstechniken für Dich und Deinen Hund

Entspannung im Alltag

Entspannungsübungen sowie die konditionierte Entspannung gehören zu den wichtigsten Tools in der Hundeerziehung, denn jedes Verhaltensproblem wirkt sich deutlich stärker aus, wenn der Hund innerlich unruhig oder gestresst ist und ein erhöhtes Erregungslevel hat. Das kennt man auch von sich selbst: wenn man einen schlechten Tag hat und ein dünnes Nervenkostüm, dann reagiert man auf kleine Unannehmlichkeiten deutlich stärker, als wenn man grundsätzlich entspannt ist. Man kann auch sagen, dass man überreagiert. Startet man das Training mit gezielten Entspannungsübungen so passiert es häufig, dass Hunde das unerwünschte Verhalten gar nicht mehr oder nur noch sehr abgeschwächt zeigen. Die erzielte Entspannung bietet eine perfekte Grundlage für ein erfolgreiches Hundetraining mit schnellen und nachhaltigen Erfolgen.

Es ist außerdem sehr interessant zu beobachten, dass Hunde, die ein erhöhtes Erregungslevel haben in Situationen ängstlich oder aggressiv reagieren, die gar nichts mit dem Stressauslöser zu tun haben. Das heißt der Stress entlädt sich auch in kontextfremden Situationen. Üblicherweise trainieren die Besitzer dann nur die Situationen, die unerwünschtes Verhalten auslösen. Wenn damit aber nicht die Reduktion des Erregungslevels einhergeht wird das Training keinen oder nur einen geringen Erfolg haben. Oder der Hund sucht sich ein anderes, neues Ventil.

Ein Beispiel aus der Verhaltensberatung: vor einiger Zeit kam ich zu einem Hund nach Hause, der sehr aufgeregt auf meine Ankunft reagierte und sich während meines gesamten Besuchs nicht sichtbar entspannen konnte. Die Besitzer erzählten, dass er Fremden gegenüber sehr ängstlich und unsicher ist. Seit Silvester hat er außerdem Angst davor Abends das Haus zu verlassen. Wir starteten mit einem gezielten Entspannungstraining und bereits in der ersten Phase des Entspannungstrainings konnten mir die Besitzer berichten, dass der Hund wieder freudig zu Spaziergängen mitkommt. Das verblüffende daran ist, dass das bisherige Entspannungstraining nur im Haus stattgefunden hat und noch gar nicht mit den Spaziergängen verknüpft wurde.

Wichtiger Hinweis: Sollte ein Hund über ein sichtbar erhöhtes Erregungslevel verfügen, dann sollte man natürlich prüfen woher dieses stammt und direkt am Auslöser arbeiten. Mögliche Auslöser können Kranheiten und Schmerzen sein, falsche Trainingsmethoden, eine unpassende Hundezusammenstellung im Haushalt, Über- oder Unterforderung.

Gezielte Entspannungs-übungen

Man kann mit Hunden gezielte Entspannungsübungen machen. Dafür nutzt man Anfangs Tageszeiten oder Momente, in welchen die Hunde bereits grundsätzlich entspannt sind. Nun kann man den Hund mit langsamen Bewegungen streicheln, kraulen oder massieren und ihn so in einen Entspannungszustand bringen. Das sollte man wenn möglich für einige Minuten machen. Gerne kann man dabei mit ruhiger Stimme sprechen oder sogar Entspannungsmusik laufen lassen. Sollte der Hund währenddessen aufstehen und weggehen ist die Übung beendet. Setzt sich der Hund ab oder leg sich, sind das gute Gradmesser dafür, dass es den Hund entspannt. Ist das Gegenteil der Fall, also wird der Hund aufgedreht, fängt an mit den Händen so spielen oder ähnliches, hat man eine direkte Rückmeldung, dass die Art und Weise des Streichelns nicht zu einer Entspannung führt.

In diesen Entspannungsübungen merkt man nach und nach, was den eigenen Hund entspannt und was nicht, man lernt den Hund noch einmal aus einer neuen Perspektive kennen und versteht seine Bedürfnisse. Die Übung kann man auch mehrmals täglich machen. Sollten mehrere Bezugspersonen an der Übung beteiligt sein, dann kann es Sinn machen an Foto des Hundes auszudrucken und die Stellen am Körper zu markieren, an welchen er gerne gestreichelt und gekrault wird. Nachdem die Entspannungsübungen im ersten Schritt in einem entspannten Kontext geübt und aufgebaut werden, können sie im nächsten Schritt auch in angespannteren Situationen genutzt werden. Beispielsweise auf Spaziergängen, in Restaurants oder im Ferienhaus im Urlaub. Ziel ist es immer, den Hund in eine Entspannung zu verhelfen und gemeinsam zu lernen, dass Entspannung auch in ungewohnter oder neuer Umgebung möglich ist.

Isometrische Übungen

Eine weitere Möglichkeit stellen die Isometrischen Übungen dar. Als Isometrische Übungen bezeichnet man eine spezielle Entspannungstechnik, die auf der gezielten Muskelan- und entspannung basiert. Auch hier ist es das Ziel den Hund durch die Übungen von einem erhöhten auf ein niedriges Erregungslevel zu bringen. Wenn man das bereits Zuhause und unterwegs erfolgreich üben konnte, lässt es sich in aufregenden Situationen einsetzen, um den Hund zu entspannen.

Bei den Isometrischen Übungen erzeugt der Hund Druck gegen die Handfläche oder den Körper der Bezugsperson (im Stehen können es beispielsweise auch die eigenen Beine sein), was zu einer direkten Entspannung führt. Es ist also tatsächlich kein Zufall, dass Hunde dieses Verhalten in angespannten Situationen von sich aus zeigen, wenn sie sich zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln gegen die Beine des Besitzers drücken.

Man beginnt damit den Hund mit der Hand an einer Körperstelle, beispielsweise seitlich an der Schulter, zu berühren. Dabei wird Anfangs noch kein Druck aufgebaut, es geht lediglich darum den Hund an diese Art der Berührung zu gewöhnen. Man kündigt diese Berührung mit einem Kommando an, z.B. „Berühren“ oder „Hand“, damit der Hund sich darauf einstellen kommt, dass er nun angefasst wird. Dann legt man die Hand an den Hund, markiert diesen Moment mit einem Markersignal und gibt dem Hund noch während die Hand auf ihm liegt eine Belohnung. Der Ablauf ist also:

1. Ankündigung über Kommando „Berühren“
2. Hand geht an den Körper des Hundes
3. Markierung mit Markersignal „Klick“
4. Belohnung geben während die Hand am Hund ist
5. Hand langsam runter nehmen

Diesen Ablauf wiederholt man einige Male.

Der zweite Schritt im Training ist, dass man beim Auflegen der Hand einen leichten Druck ausübt, in der Hoffnung, dass der Hund diesen leichten Druck bereits mit Gegendruck beantwortet. Der Gegendruck wird direkt mit dem Markersignal markiert und belohnt. Auch das wiederholt man einige Male.

Es ist insgesamt wichtig, dass man selbst entspannt und ruhig ist während der Übungen. Alle Handbewegungen sollten langsam und bedacht sein.

Die Isometrischen Übungen machen vor allem bei Hunden Sinn, die sich nicht gerne streicheln oder anfassen lassen. Oder man setzt sie gezielt ein, um Berührungen positiver zu verknüpfen.

Konditionierte Entspannung

Bei der konditionierten Entspannung verknüpft man den Entspannungszustand mit einem Reiz. Somit macht man es möglich das Gefühl der Entspannung durch den konditionierten Reiz auszulösen oder aufrecht zu erhalten.

Dabei gibt es Reize, die eine kurzzeitige Wirkung haben, wie ein Entspannungswort. Reize wie Entspannungsmusik, eine Decke oder ein Halstuch stellen langfristigere Reize dar. Ein Entspannungswort nutzt man zum Beispiel dann, wenn der eigene Hund im Spiel zu erregt und aufgedreht wird, damit man ihn für sich wieder ansprechbar macht. Möchte man die konditionierte Entspannung aufbauen um den Hund im Restaurant oder beim Alleine bleiben zu entspannen, dann sollte man es eher über einen Reiz machen, der langfristiger wirkt.

Aufbau des Entspannungsworts

Für das Entspannungswort bringt man den Hund durch Steicheln in einen Entspannungszustand. Zwischendrin nimmt man kurz die Hand vom Hund, sagt das Entspannungwort „Entspann dich“ oder „Ruhig“ und legt er danach wieder die Hand an den Hund. Das Entspannungswort sagt man am besten in einem ganz normalen Tonfall und mit normaler Lautstärke. Viele Besitzer tendieren dazu das Entspannungswort leise singend zu sagen, was aber Probleme mit sich bringt. Denn entweder ist es einem unangenehm es in der Öffentlichkeit in der selben Weise zu „singen“ oder es ist zu leise und der Hund nimmt es unter Ablenkung gar nicht wahr. Wenn man den Hund nicht über Streicheln oder Kraulen entspannen kann, dann kann man das Entspannungswort auch darüber aufbauen, dass man es immer dann nennt, wenn der Hund von sich aus entspannt ist.

Aufbau eines Langzeitreizes für Entspannung

Aktiv während Entspannungsübungen:
Möchte man einen langfristigen Reiz mit der Entspannung verknüpfen, dann führt man die Entspannungsübungen immer unter Einbeziehung des Reizes aus, also bei Entspannungsmusik oder auf einer bestimmten Decke. Oder man legt dem Hund für die Übung ein Halstuch an. Die Reize werden nach der Übung wieder entfernt. Das kann mit jedem beliebigen Reiz gemacht werden, die Klassiker sind: Decke, Handtuch, Musik, Duft, Halstuch.

Passiv in Momenten der Entspannung:
Außerdem gibt es die Möglichkeit einen bestimmten Reiz immer dann zum Hund zu legen, wenn dieser eh bereits entspannt ist. Das bedeutet, dass man dabei keine aktive Entspannungsübung macht, sondern Momente abwartet, in welchen der Hund von sich aus entspannt ist und diese verknüpft man dann mit dem ausgewählten Reiz. Klingt kompliziert, funktioniert aber ganz einfach. Man wartet bis der Hund ganz entspannt schlummert und fügt dann den Reiz hinzu, schaltet also die Musik ein oder legt die entsprechende Decke zum Hund.

Verwendung von Duftöl

Man kann sehr gut mit Duftölen arbeiten, welche auf die Hunde entspannend wirken. Dazu verwendet man reine ätherische Öle, am besten Lavendel- oder Citrus-Öl. Man gibt dabei lediglich einen halben Tropfen bis Tropfen auf die Decke oder das Handtuch, da der Duft sonst viel zu intensiv wäre für unsere Hunde. Es kann natürlich trotzdem sein, dass der Hund die Decke absolut meidet und den Duft nicht mag, das muss man einfach individuell ausprobieren.

Für den Aufbau der Verknüpfung kann man wieder wie oben beschrieben vorgehen: wenn der Hund eh entspannt ist, legt man einfach die duftende Decke zum Hund. Sobald der Hund aufsteht oder sich die Situation ändert, nimmt man die Decke wieder weg und räumt sie auf.

Entspannung als Akku

Bei der konditionierten Entspannung laden wir Reize mit der Emotion der Entspannung auf. Das Ziel ist es, dass die Hunde sobald die Reize ins Spiel kommen, Entspannung fühlen. Damit das langfristig funktioniert müssen diese Reize immer mal wieder mit Entspannung „aufgeladen“ werden, wie bei einem Akku. Man kann die Reize also nicht unbefristet in Situationen einsetzen, in welchen die Hunde entspannt sein sollen. Zwischendruch müssen sie wieder aktiv mit einem Entspannungszustand verknüpft werden, so wie in der Konditionierung beschrieben.

Hunde & Menschen: Ein persönlicher Kommentar

Hunde & Menschen

Manchmal laufe ich durch die Straßen und beobachte Besitzer und ihre Hunde. Eine alte Frau steht an der Ampel und wartet bis diese grün wird. Sie schaut sich nach ihrem Hund um und weist ihm den Weg über die Straße. Es ist ein kleiner grauer Struppel, dem man die Jahre schon ansieht. Er humpelt ein wenig, aber folgt seiner Besitzerin motiviert über die Straße. Auf der anderen Seite angekommen lächeln sich Besitzerin und Hund kurz an, als ob sie sich sagen wollten ‚das haben wir gemeinsam geschafft’ und gehen zufrieden weiter. Ein paar Straßen weiter ist eine große Grünfläche und Hunde laufen ohne Leine. Ein Pärchen ruft ihren Hund, dieser kommt voll Freude angerannt und drückt seinen Körper an die Beine seiner Besitzer, damit sie ihn besser kraulen können. Sein Blick ist ausgelassen und glücklich. Ich gehe weiter und komme an einem Café vorbei. Ein Mann sitzt in der Sonne bei Espresso und Zeitung. Erst auf den zweiten Blick sehe ich den kleinen braunen Terrier neben ihm auf der Bank sitzen. Er betrachtet seinen Besitzer voll Bewunderung und liegt dabei entspannt auf der Holzbank. Ich lächle und denke mir, es sind genau diese Momente zwischen Hund und Mensch, die mich berühren und bewegen. Ich könnte ihnen stundenlang zusehen. Es ist ein liebevolles Miteinander, ein sich gegenseitig schätzen, ein ‚ich freue mich, dass es dich gibt und dass wir gemeinsam durch das Leben gehen dürfen’.

Das ist der Grund für meine Hundeliebe und meine Motivation Besitzer und ihre Hunde noch ein Stück näher zusammen zu bringen. Manchmal auch zwischen ihnen zu vermitteln, Missverständnisse aufzulösen und die Kommunikation zu verbessern. Dabei freue ich mich immer über Besitzer, die ihren Hund wirklich verstehen möchten, die ihm dabei helfen möchten sich in unserer Gesellschaft einzufügen. Besitzer, die den Anspruch haben sich umfassend mit dem ‚Thema Hund’ auseinander zu setzen und im Zusammenleben mit ihm tief in seine Bedürfnisse und Beweggründe einzusteigen.

Chancen und Grenzen in der Hundeerziehung

Das bedeutet keinesfalls, dass wir alle erwünschten und unerwünschten Verhaltensweisen unseres Hundes so hinnehmen müssen wie sie sind und sie zwar erklären, aber nicht ändern können. Es bedeutet, dass wir Phasen und Herausforderungen unseres Hundes beobachten, analysieren und dann auf dieser Basis ein Training entwickeln, das an der Ursache des Problems ansetzt und nicht nur versucht Symptome zu ersticken. Das bedeutet auch, dass Besitzer umfassend darüber aufgeklärt werden warum ihr Hund bestimmte Verhaltensweisen zeigt und welche Möglichkeiten mit welcher Form des Trainings bestehen.

Denn es gibt Verhaltensweisen und Muster, die sich vollständig ablegen lassen und andere, mit welchen man zwar umzugehen lernt, die aber nie vollkommen verschwinden. Meistens sind das genetisch fixierte Verhaltensweisen, wie beispielsweise der Sexualtrieb oder Jagdinstinkt. Man wird einem unkastrierten Rüden nie abgewöhnen können einer läufigen Hündin hinterher rennen zu wollen, aber man kann es sehr wohl schaffen den Rüden über einen gut aufgebauten Rückruf auch in solchen Situationen kontrollierbar zu machen. In einem guten und modernen Hundetraining findet man eine Balance zwischen den Anforderungen des Besitzers und den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Hundes.

Eine Balance, die beide gleichermaßen glücklich macht und so zu einem gemeinsamen Miteinander führt. Dabei ist es vor allem wichtig eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Mensch und Hund zu etablieren und eine Situation zu schaffen, in der sich Mensch und Hund gegenseitig einschätzen können. Denn nur so ist es möglich Vertrauen aufzubauen. So weiß der Besitzer welchen Gedanken der Hund gerade hegt (oder gleich hegen wird, wenn der Hase über den Weg hoppelt) und der Hund kann dem Menschen vertrauen, weil er für ihn einschätzbar ist.

Ein Schlusswort

Wir sind alle nur Menschen und dürfen natürlich auch menschlich reagieren. Man darf auch mal von Zeit zu Zeit genervt oder schlecht gelaunt sein und muss das nicht vor dem Hund verstecken. Diese merken das ja meist eh schneller als wir selbst. Und selbstverständlich rufe ich auch im Affekt „NEIN“, wenn meine Hündin nach dem Spaziergang im Matsch voll Wonne in das frisch bezogene Bett springen möchte. Darum soll es nicht gehen. Es geht darum ein grundlegendes Verständnis für unsere Hunde und angemesse Trainingsmethoden zu schaffen. Meine Vision ist es, dass es zur Normalität wird einen freundlichen, verständnisvollen und fairen Umgang mit den Hunden zu etablieren und sich Hundebesitzer aufgeklärt und reflektiert mit dem Thema Hundeerziehung auseinandersetzen, alte Muster und Einstellungen ablegen können. In meiner Vision stehen Milan und Rütter nicht mehr vor der Fernsehkamera.

Hunde sind treue Partner und Wegbegleiter, sie bereichern unser Leben durch ihre Ehrlichkeit und Direktheit. Wir haben uns alle bewusst dafür entschieden unser Leben mit einem oder mehreren Hunden zu teilen und es ist etwas wundervolles. Und genauso wundervoll und respektvoll sollten wir mit unseren Hunden umgehen. Punkt.

Was hat es denn mit diesen Markersignalen auf sich?

Hintergründe zum Markertraining: warum?

Der Erfolg eines guten Hundetrainings hängt maßgeblich davon ab, ob Mensch und Hund sich richtig verstehen. Da Menschen und Hunde unterschiedlich kommunizieren kann es genau daran oft scheitern im Training. Für eine erfolgreiche Kommunikation nutzt man also am besten Signale, die beide Seiten verstehen. Das Markertraining setzt genau hier an und ist daher so unglaublich hilfreich. Die Grundlagen von dem Einsatz und dem Konditionieren von Markern als Signal sind die klassische und operante Konditionierung. Für eine praxisnahe Anleitung muss man diesbezüglich allerdings nicht in die Tiefen der Theorie einsteigen.

Ein Markersignal kann ein Wort oder auch ein bestimmter Ton, wie der Klicker, sein. Als Wort eignen sich kurze, prägnate Worte, die man nicht im normalen Sprachgebrauch nutzt. Beispielsweise „TOP!“, „YES!“, „CKECK!“ oder tatsächlich auch „KLICK!“. Vor allem letzteres Markerwort nutzen viele Besitzer, die gerne mit dem Klicker arbeiten, aber zusätzlich ein Markerwort aufbauen möchten für den Fall, dass sie den Klicker nicht parat haben. Dadurch, dass all diese Markersignale sehr prägnant und immer gleichbleibend sind, reagieren die Hunde sehr gut darauf und können im Training konzentriert bleiben. Auch bei hibbeligen, unkonzentrierten Hunden kann man damit sehr große Erfolge erzielen.

Der Klicker ist dem Markerwort in einer Sache überlegen: auch in kritischen Situationen hört er sich immer gleich an, während bei einem Markerwort die Stimmlage unterschiedlich sein kann. Dennoch überwiegen die Vorteile bei einem Markerwort: man hat die Hände frei, man hat es immer „dabei“ und es ist weniger auffällig, als ein Klicker. Das macht das Markerwort deutlich alltagsfreundlicher und damit zum Favoriten. Wer fleißig ist sollte im besten Fall beides, also den Klicker und ein Wort als Marker aufbauen.

Mit einem konditionierten Marker kann man sehr punktuell und genau bestimmte Verhaltensweisen des Hundes markieren und damit entweder belohnen oder auch Situationen und Reize positiv belegen. Ein gut aufgebautes Markersignal überwiegt einer normalen Belohnung, denn es wirkt insgesamt wie ein Verstärker. Der Hund lässt sich damit in dem Bruchteil einer Sekunde in die Erwartungshaltung bringen nun eine tolle Belohnung zu erhalten. Dadurch lernen Hunde sehr schnell und sind extrem konzentriert bei der Sache. Außerdem lässt sich ein Marker auch auf die Distanz anwenden oder in Situationen, in denen man nicht direkt eine Futterbelohnung gehen kann oder möchte (z.B. bei Futterneid unter Artgenossen).

Der Marker dient dabei als Ankündigung einer Belohnung. Es folgt also immer eine Belohnung nach dem Signal, das kann eine Futterbelohnung sein, stimmliches Lob oder ein Spiel. Außerdem kann man Verhaltensweisen, die der Hund gerne zeigen möchte als Belohnung nutzen. Buddeln, Schnüffeln, ins Wasser rennen oder ähnliches. Man nutzt also im Grunde alles, was der Hund gerne mag, und baut darüber eine zielgerichtete Belohnung auf.

Anleitung zum Aufbau eines Markersignals: wie?

Anfangs kennt der Hund die Bedeutung des Markersignals noch nicht. Womöglich reagiert er dennoch aufmerksam auf den Klicker, das hat aber nur etwas mit einer ersten Neugier zu tun. Man muss dem Hund aktiv beibringen, dass nach dem Klick oder dem Markerwort immer etwas sehr positives für ihn folgt.

Man bereitet sich einige Leckerlis vor, die der Hund sehr gerne mag. Am besten legt man diese in eine Schüssel oder in einen Leckerlibeutel. Nun gibt man das Markersignal, also das Wort oder den Klick und greift danach zu einem Leckerli und gibt es dem Hund. Damit das Markersignal erfolgreich aufgebaut wird ist es sehr wichtig, dass diese Schritte nacheinander und nicht gleichzeitig passieren. Also: Markersingal – Griff zu Leckerli – Leckerli Hund geben. Der meist gesehene Fehler ist, dass der Besitzer das Leckerli bereits zu Früh in der Hand hält oder die Hand schon im Leckerlibeutel steckt. Gerne kann man auch mit stimmlichem Lob begleiten, also: Markersingal – stimmliches Lob – Griff zum Leckerli und Hund geben.

Tag 1 – 3:

In den ersten Tagen empfiehlt es sich 3-4 mal pro Tag diese Konditionierung durchzuführen, jeweils mit circa 10 Leckerlis, danach wird wieder eine Pause gemacht.

Tag 3 – 7:

In den nächsten Tagen kann man das Markersignal mit bereits bekannten Kommandos verknüpfen. Man gibt dem Hund also zum Beispiel das Kommando, dass er sich absetzen oder ablegen soll und markiert dann genau das gezeigte Verhalten und belohnt es. Die Abfolge ist: Kommando „Sitz“ – Hund setzt sich – Markersignal – Griff zum Leckerli und Hund geben. Gerne mit stimmlichem Lob begleiten. Dabei kann und sollte man mit der Belohnung variieren. Man kann eine Futterbelohnung aus der Hand geben oder 1-2 Meter werfen, so dass der Hund hinterher springen kann. Außerdem kann man ein Spielzug zur Belohnung geben oder einen Futterbeutel werfen, falls der Hund das bereits kennt. Auf jeden Fall sollte man zwischen den unterschiedlichen Belohnungen variieren, weil das Markersignal damit noch besser als Verstärker wirken kann. Man kann es sich wie einem bunten Blumenstrauß aus verschiedenen Belohnungen vorstellen und man bedient sich immer mal wieder unterschiedlicher Belohnungen. Setzt man dabei noch das eigene stimmliche Lob an, dann lädt man dieses ebenfalls noch zusätzlich positiv auf.

Ab Tag 7:

Nach einer Woche Training sollte der Hund das Signal bereits positiv verknüpft haben. Nun ist es empfehlenswert das Signal vor dem Training oder vor Spaziergängen mit 5-10 Wiederholungen wieder ganz aktiv in Erinnerung zu rufen. Danach kann man es dann einfach zur Belohnung einsetzen.

Auch zukünftig bleibt es dabei, dass das Markersignal eine Belohnung ankündigt, es muss also auch immer eine Belohnung folgen. Das Signal allein ersetzt nicht die Belohnung, sondern kündigt sie nur an.

Anwendung des Markersignals: wann?

Das konditionierte Markersignal kann man grundsätzlich immer im Alltag mit dem Hund anwenden, bei allem, was der Hund toll gemacht hat und ganz gezielt auch bei Kommandos, die dem Hund noch schwer fallen. Man setzt es einfach immer vor eine Belohnung und kündigt diese damit an. Dadurch, dass vor allem das Markerwort sehr unkompliziert in der Anwendung ist kann man es problemlos immer anwenden. Wenn der Hund warten soll bevor er an den Fressnapf geht zum Beispiel oder wenn er kurz neben dem Auto warten soll, während man den Kofferraum einräumt. Es gibt unzählige Situationen. Neben der Anwendung im normalen Alltag findet es natürlich auch Anwendung im gezielten Hundetraining. Beim Aufbau eines neuen Kommandos oder auch im Training an der Leine, mit Artgenossen oder mit für den Hund schwierigen Reizen.

Das Markersignal dient dabei nicht nur als Belohnung für erwünschtes Verhalten, sondern kann auch gezielt unangenehme Reize positiv belegen. Dafür gibt es beispielsweise das Prinzip „Klick-für-Blick“. Hat ein Hund Probleme mit Kindern, so kann man jeden Blick des Hundes zu einem Kind markieren und dann belohnen. So wird das Kind für den Hund positiv verknüpft (immer wenn man ein Kind sieht bekommt man eine tolle Belohnung) und der Hund erhält die Tendenz nicht zum Kind zu gehen, sondern sich seinem Besitzer zuzuwenden, denn von diesem kommt ja die Belohnung.

In der aktuellen Hundeerziehung wird ein Markersignal sogar dann eingesetzt, wenn der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt, um dieses zu unterbrechen und die Situation mit einer positiven Erwartungshaltung zu verknüpfen. Bleibt man bei dem Beispiel mit dem Kind könnte es so ablaufen: der Hund sieht ein Kind und bellt direkt beim ersten Blick. Auch dann kann man mit dem Markersignal reagieren, der Hund unterbricht das unerwünschte Verhalten, wendet sich dem Besitzer zu und bekommt dafür die Belohnung. Das Ziel ist, dass die Hunde zukünftig nur noch kurzzeitig oder gar nicht mehr das unerwünschte Verhalten zeigen, sondern die Verhaltenskette entwickeln: auf Kind folgt Besitzer ansehen folgt Belohnung.

Grundsätzlich ist es empfehlenswert ein gut aufgebautes Markersignal auch zur Unterbrechung von unerwünschtem Verhalten einzusetzen, aber man sollte das durchaus vorsichtig machen und im besten Fall mit einem Hundetrainer abstimmen, der mit Markersignalen arbeitet und die Situation kennt. Denn man möchte vermeiden einen erhöhten Erregungszustand eines Hundes durch den Marker zu verstärken.

Belohnungen in der Hundeerziehung

Mit der richtigen Art der Belohnung steht und fällt der Erfolg im Hundetraining. Und das Thema ist ein bisschen komplexer, als es sich viele Hundebesitzer vorstellen. Man kann unterscheiden zwischen der richtigen Art der Belohnung, dem korrekten Zeitpunkt, an dem belohnt wird sowie dem Ort der Belohnung. All diese Faktoren wirken sich auf das Verhalten des Hundes und den Trainingserfolg aus und daher lohnt es sich einen Blick darauf zu werfen!

Die richtige Belohnung

Man spricht immer von der richtigen Belohnung, doch was meint man damit eigentlich? Es handelt sich dabei keinesfalls um das trockene Leckerli, das der Besitzer am Liebsten hat, weil man es gut in der Jackentasche transportieren kann und die Finger nicht schmutzig werden. Es muss sich im Grunde auch gar nicht um eine Futterbelohnung handeln.

Vielmehr handelt es sich dabei um eine Form der Belohnung, die der Motivation des Hundes in der jeweiligen Situation am nähsten kommt. Was bedeutet das konkret? Ein Hund, der gerade einen Hasen hetzten möchte, für den wird eine Futterbelohnung aus der Hand wahrscheinlich keine passende Alternative sein. Man kann aber versuchen Kekse, einen Futterbeutel oder ein Spielzeug zu werfen um eine Belohnung zu erzeugen, die den Hund auf seinem Erregungslevel abholt. Man kann außerdem immer hinterfragen was der Hund gerade machen würde, wenn er könnte und versuchen genau das dann als Belohnung einzusetzen. Das kann ganz klassisches Hundeverhalten sein: am Boden schnüffeln, über die Wiese laufen, zu einem anderen Hund im Freulauf rennen, sich eine Kastanie schnappen und diese durch die Luft werfen – alles ist möglich, solange es niemandem weh tut. Es versteht sich von selbst, dass wir keinen Hund für ein braves „Sitz“ mit dem Hetzen eines Rehs belohnen.

Nimmt man ganz klassisch eine Futterbelohnung, dann sollte man auf jeden Fall etwas wählen, was der Hund wirklich gerne mag. Nicht selten erlebt man es, dass Besitzer Leckerlis auf den Hundeplatz mitbringen, bei welchen der Hund die Nase rümpft oder sie direkt wieder auf den Boden spuckt. Und das bedeutet nicht, dass der Hund über alle Maße verwöhnt ist, sondern dass der Besitzer nicht geprüft hat was wirklich eine Belohnung und eine Motivation für seinen Hund darstellt. Welche Form der Belohnung am geeignetsten ist entscheidet also letztlich immer der Hund – im besten Fall gemeinsam mit seinem Menschen.

Wie bereits in dem Blogbeitrag zum Thema „Markertraining“ beschrieben, ist es sehr sinnvoll und zielführend nicht immer dieselbe Form der Belohnung zu nutzen, sondern diese zu variieren und der Situation anzupassen. Bekommt der Hund beispielsweise immer nur eine Futterbelohnung, so wird er bei Magenschmerzen kein Kommando ausführen, da ihm überhaupt nicht nach Essen zu Mute ist.

Die Wirkung des Zeitpunkts der Belohnung

Spannend ist außerdem sich den Zeitpunkt der Belohnung näher anzusehen. Denn tatsächlich gibt es nicht DEN richtigen Zeitpunkt der Belohnung, sondern je nach dem was man trainieren und verstärken möchte unterschiedliche.
Lässt man einen Hund beispielsweise neben sich absitzen, dann kann man je nach Zeitpunkt der Belohnung folgende Dinge trainieren:

1. Latenzzeit zwischen dem Kommando und der Ausführung: Wenn man trainieren möchte, dass sich der Hund möglichst prompt nach dem Kommando hinsetzt, dann sollte man den Hund sofort dann belohnen, wenn er sich absetzt oder abgesetzt hat.

2. Dauer der Ausführung: Belohnt man jedoch erst nach einigen Sekunden, so trainiert man es, dass der Hund das Kommando über eine gewisse Dauer ausführt, also beispielsweise 20 Sekunden sitzen bleibt.

3. Kommando unter Ablenkung: neben den ersten beiden Punkten kann man außerdem noch die Ausführung des Kommandos unter Ablenkung trainieren, indem man den Hund dann belohnt, wenn die Ablekung gerade am stärksten ist. Der Hund sitzt also neben einem und es kommt zum Beispiel ein anderer Hund an der Leine vorbei gelaufen. Man markiert und belohnt den Moment, in dem der andere Hund am nähsten an dem eigenen sitzenden Hund ist.

Der Ort der Belohnung

Mit dem Ort der Belohnung kann man die Tendenz eines Hundes verändert oder verstärken. So kann man beispielsweise einen Hund, der beim Sitzen sehr unruhig ist und dazu tendiert schnell aus der Position aufzustehen direkt beim Sitzen aus der Hand belohnen. Einem Hund, der ein bisschen mehr Action und Motivation braucht kann man die Belohnung ins Gras werfen, so dass er einen Satz dorthin springen kann. Belohnt man das ruhige Erblicken eines Fahrradfahrers immer auf der vom Weg abgewandten Seite, so erhöht man die Tendenz des Hundes selbständig auf die Seite zu gehen, wenn er ein Fahrrad sieht. Läuft ein Hund sehr langsam an der Leine, dann ist es hilfreich die Belohnung nach Vorne zu richten, zieht der Hund von sich aus eher nach Vorne, dann sollte die Belohnung hinter einem stattfinden. Und so weiter und so weiter, die Liste der Beispiele und Anwendungsmöglichkeiten lässt sich unendlich weiterführen, diese soll jedoch einfach nur zeigen, dass neben der Art und dem Zeitpunkt der Belohnung auch der Ort bedacht werden sollte, weil es eine einfache und effektive Möglichkeit ist die Tendenz des Hundes zu beeinflussen und sich selbst und dem Hund somit im Training zu helfen.