Drei Situationen, in denen wir gegen unseren Hund arbeiten statt mit ihm

Es gibt Situationen draußen, bei denen man im Vorbeigehen denkt: Ihr könntet es euch gerade so viel einfacher machen. Nicht, weil dort jemand aus Bosheit etwas falsch macht. Sondern weil wir im Alltag mit Hund manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Signale abzufragen, wenn dein Hund nicht ansprechbar ist, führt zu nichts
  • Erregung ist kein Fehlverhalten, sondern ein Zustand deines Hundes in diesem Moment
  • Von hoher Erregung auf null geht nicht — dazwischen liegt der Weg
  • Hunde lernen Signale kontextspezifisch und Erregung ist Teil dieses Kontexts
  • Verhalten zu unterbrechen, ohne eine Alternative anzubieten, ist nur der halbe Weg
  • Gloria sieht diese Klassiker in der Verhaltensberatung, draußen und in den sozialen Medien. Der gemeinsame Nenner ist meistens derselbe: Man will eine schnelle Lösung und sich nicht damit befassen, was beim Hund gerade los ist. Das ist verständlich. Es funktioniert nur nicht.

Wenn du ein Signal abfragst, obwohl dein Hund nicht ansprechbar ist

Der absolute Klassiker: Ein Hund schaut in eine andere Richtung, ist mit irgendetwas beschäftigt, und dahinter hängt ein Mensch an der Leine und sagt, mach mal Sitz. Und nochmal. Dabei geht es gar nicht darum, ob der Hund das Signal kennt. Der Unterschied liegt in der Reihenfolge: erst die Aufmerksamkeit holen, dann das Signal.

Fast noch weniger mag Gloria Hunde, die stoisch den Hintern runtergehen lassen, während die Aufmerksamkeit ganz woanders liegt. Ein hingerotztes Sitz gilt nicht. Und wenn du deinen Hund gar nicht ansprechen kannst, dann ist da etwas — vielleicht etwas, das ihn ängstigt, vielleicht etwas, in das er sich hineingestürzt hat, um anderes zu kompensieren. Dann geht es nicht um ein Signal, sondern um Koregulation.

Wenn du gegen die Erregung deines Hundes arbeitest

Das ist für Gloria der Gamechanger. Viele Menschen erleben hohe Erregung als etwas Störendes, das schnell weg muss. Also wird gedeckelt: unterbrochen, korrigiert, abgelenkt. Nur ist Erregung kein Fehlverhalten, sondern ein Zustand. Arbeiten wir dagegen, bekommen wir das Gegenteil: Die Hunde drehen weiter hoch, werden frustriert, können Belohnungen nicht mehr annehmen. Der Hund fühlt sich ungesehen, der Mensch dringt nicht durch.

Mit der Erregung zu arbeiten heißt nicht, den Hund oben zu lassen. Es heißt hinzuschauen: Auf welchem Level ist er? Niedrig, mittel, hoch reicht völlig. Und dann nicht hundert auf null zu verlangen. Der Weg dazwischen läuft über Aktivität: den Keks ruhig aus der Hand — sehr niedrig. Zuwerfen oder zwei Schritte zur Seite gehen — mittel. Zergeln, Spielzeug, mit Futter kegeln — hoch. Wer einen aufgedrehten Hund abholen will, kegelt erst etwas Futter, geht dann in eine niedrigere Aktivität — und sagt erst ganz unten: So, jetzt machen wir Pause.

Das erklärt auch, warum so viele Signale bei Ablenkung nicht funktionieren. Hunde lernen kontextspezifisch, und Erregung ist Teil des Kontexts. Wie du die Erregungskurve deines Hundes kennenlernst und gemeinsam surfen lernst, ist Inhalt unseres Webinars zu Selbstregulation und Selbstwirksamkeit.

Wenn du unterbrichst, ohne eine Alternative anzubieten

Dem Hund wird gesagt, dass er etwas nicht darf. Ein Nein, ein Aus, irgendeine Unterbrechung. Nur hat ihm nie jemand beigebracht, was das bedeutet — und schon gar nicht, was er stattdessen tun soll. Da sind wir in der Bringschuld.

Und selbst wenn die Unterbrechung sitzt, ist sie nur eine Momentaufnahme. Er hört auf — und weiß trotzdem nicht, was jetzt erwartet wird. Etwas vermenschlicht: Das war falsch, aber ich weiß nicht, was richtig wäre. Dann müssen wir uns nicht wundern, wenn er sich für eine Alternative entscheidet, die wir überhaupt nicht gut finden. Beim jungen Hund klingt der ganze Satz so: Nein, deine Zähne gehören nicht in meinen Unterarm — aber an diesem Spielzeug darfst du dich gerne auslassen.

Häufige Fragen

Heißt „mit dem Hund arbeiten”, dass ich alles laufen lasse?

Nein. Es heißt, dass du deinem Hund die Dinge, die du erwartest, auch beibringst — und zwar so, dass sie in diesem Moment für ihn machbar sind. Grenzen setzen und mit dem Hund arbeiten schließen sich nicht aus.

Mein Hund kann alles, wenn nichts los ist, aber nicht bei Ablenkung. Woran liegt das?

Sehr wahrscheinlich daran, dass unter dem entsprechenden Erregungslevel nie trainiert wurde. Ein Signal, das nur bei niedriger Erregung aufgebaut wurde, existiert bei hoher praktisch nicht.

Ist hohe Erregung schlecht für meinen Hund?

Nein. Sie begünstigt allerdings Verhaltensprobleme — Hunde lösen schneller aus, ziehen stärker, springen in die Leine. Deshalb macht sie vielen Angst. Die Lösung ist nicht, sie zu vermeiden, sondern zu lernen, wie du deinen Hund wieder herunterbegleitest.

Fazit

Alle drei Situationen haben denselben Kern: Es soll schnell gehen. Dabei ist nichts davon aufwendig, wenn man es einmal ordentlich aufgebaut hat — es schont Nerven und Zeit. Geh die nächsten Tage mit wacherem Blick durch euren Alltag und frag dich: Auf welchem Erregungslevel ist mein Hund gerade?

Erregung ist kein Fehlverhalten. Sie ist ein Zustand — und gegen Zustände lässt sich nicht argumentieren.

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Inhalt:

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