Die Ankunft von Tierschutzhunden

Die meisten Hunde aus dem Tierschutz haben einen langen Transport vor sich, wenn sie in ihr neues Leben starten. Ob mit dem Flugzeug, Kleintransporter oder in PKWs, die Reise der Hunde ist mit viel Aufregung und Anstrengung verbunden. Vor allem Hunde, die aus dem Ausland kommen werden in der Regel das erste Mal in ein Fahrzeug gebracht und wissen gar nicht wie ihnen geschieht. Die Fahrzeuge sind tiergerecht ausgestattet, es findet eine Versorgung unterwegs statt, dennoch kann man nicht von der Hand weisen, dass der Transport eine sehr stressige Situation für die Hunde darstellt. Diese befinden sind in Transportboxen oder –käfigen und werden neben- und übereinander gereiht. Dadurch hören, riechen und sehen sich die Hunde gegenseitig. In Flugzeugen ist die Umgebung natürlich eine andere, dennoch ist die Ausgangssituation ähnlich.

 

Unterwegs werden Stopps eingelegt, um den Hunden frisches Wasser zu geben, sie verbleiben aber die komplette Zeit in ihren Boxen. Das Risiko einen Hund unterwegs zu verlieren, weil er sich in Panik an einer Raststätte losreißt oder aus Geschirr und Halsband windet ist viel zu groß, auch der damit verbundene Stress.

Doppelte Sicherung bei der Übergabe

Am Zielort angekommen werden die Hunde von ihren neuen Besitzern oder Pflegestellen entgegen genommen. Dabei sollte penibel darauf geachtet werden, dass die Hunde mit einem Halsband und einem Sicherheitsgeschirr und zwei Leinen doppelt gesichert an die neuen Besitzer gegeben werden. Denn niemand kann wirklich einschätzen wie die Hunde nach dem langen Transport und in völlig fremder Umgebung reagieren.

 

Ein panischer Hund kann sich in wenigen Sekunden aus einem normalen Geschirr oder Halsband befreien. Daher sind Sicherheitsgeschirre hier obligatorisch. Sollten diese nicht über den Tierschutzverein bereitgestellt werden, dann sollte man das als neuer Besitzer hinterfragen und um ein Sicherheitsgeschirr bitten oder selbst eines (oder zwei in unterschiedlichen Größen) im Vorfeld kaufen und zur Abholung mitbringen. Ebenfalls ein verstellbares Halsband und zwei Leinen. Bitte zu diesem Zeitpunkt niemals eine Flexileine nutzen, da sie viel zu unsicher ist und Panik schürrt, sollte einem das Handstück auf den Boden fallen.

Der magische Moment des Kennenlernens

Der Moment, wenn das neue Familienmitglied die Transportbox verlässt ist magisch. Die Besitzer sind voll Erwartung und Vorfreude, die Hunde schauen sich meist erst einmal mit großen Augen um und verstehen noch nicht, dass sie nun in einem neuen Leben angekommen sind. Es gibt Hunde, die springen aus der Box als wollten sie sagen "Hallo, hier bin ich, was machen wir nun?" und dann gibt es die vorsichtigeren Hunde, die etwas langsamer in ihre neue Zukunft starten. Jeder Hund steckt die Strapazen des Transports unterschiedlich weg und benötigt mehr oder weniger Zeit um Vertrauen zu den neuen Besitzern aufzubauen. Es ist immer hilfreich erst einmal in die Hocke zu gehen und langsam Kontakt aufzunehmen. Vor allem Welpen und kleine Hunde fühlen sich oft auf dem Arm wohler und beobachten von dort das Treiben um sie herum. Die Hunde sind es in der Regel nicht gewohnt an die Leine genommen zu werden, man muss ihnen also behutsam zeigen wohin man sie führen möchte.

Fahrt in das neue Zuhause

Wenn es die Umgebung und Situation zulässt, kann man dem Hund die Möglichkeit geben sich zu lösen und etwas zu Essen und zu Trinken anbieten. Grundsätzlich sollte man die Abholsituation aber kurz halten und den Hund lieber in das Auto bringen. Es ist absolut davon abzuraten mit dem Hund zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln heimzufahren. Egal, wie kurz der Weg ist. Wer kein eigenes Auto hat kann sich sicherlich eines ausleihen oder Freunde und Familie um Unterstützung bitten.

 

Im Auto sollte man verschiedene Transportmöglichkeiten vorbereitet haben. Das kann eine Decke oder Transportbox im Kofferraum oder auf dem Rücksitz sein. Viele Hunde haben nach dem langen Transport ein Problem damit wieder in eine Box oder einen Käfig zu steigen, daher ist es empfehlenswert einen Anschnallgurt für den Hund zu besorgen, mit dem man diesen beispielsweise auf einem Rücksitz sichern kann. Ein Familienmitglied kann sich dann zu dem Hund auf die Rücksitzbank setzen und diesen während der Fahrt streicheln und beruhigen oder einfach nur Gesellschaft leisten. Kleinen Hunden und Welpen hilft es oftmals sie auf den Schoß zu nehmen.

Es lohnt sich auf alles vorbereitet zu sein

Es versteht sich von selbst, dass man Klamotten anzieht, die dreckig werden dürfen. Auch das Auto sollte mit Decken und Handtüchern ausgelegt werden, wenn man Angst vor Schmutz hat.

 

Die Hunde kommen meistens direkt aus den Tierheimen und koten und nässen sich in ihren Transportboxen ein, das lässt sich in der Regel nicht vermeiden. Ängstliche und Unsichere Hunde verlieren auch bei der Begrüßung der neuen Besitzer oder dem Hochheben ins Auto Urin. Darauf sollte man auf jeden Fall vorbereitet sein und mit einer gewissen Gelassenheit an diese Situation gehen. Klamotten und Decken können wieder gewaschen und der Hund nach einigen Tagen gebadet werden.

Mit dem Ersthund zur Abholung?

Die Situation an der Abholung ist stressig und aufregend, das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Es macht daher keinen Sinn einen Ersthund oder die erweiterte Familie mitzubringen. Es ist hilfreich, wenn sich der Ersthund und der neue Schützling auf möglichst neutralem Boden kennenlernen, da die Zusammenfürhung dann weniger Konfliktpotenzial beinhaltet. Der Ort der Abholung ist allerdings meist nicht geeignet dafür. Vor allem, wenn man nach wenigen Minuten gemeinsam in dasselbe Auto steigt würde eine zu beengte Situation erzeugt werden.

 

Daher ist es zu empfehlen den neuen Hund abzuholen und nach Hause zu fahren. Dort kann man eine nah gelegene ruhige Wiese aufsuchen und die Hunde vorsichtig zusammenführen. Bei entspannten Ersthunden kann die Zusammenführung auch im Garten stattfinden. Die Besitzer sollten darauf achten selbst gelassen und ruhig zu sein und keine Anspannung (zum Beispiel über einen Zug auf der Leine oder Maßregelungen) in die Situation zu bringen. Die Zusammenführung sollte ohne Druck ablaufen.

 

Bei der Zusammenführung müssen sich die Hunde nicht zwingend beschnüffeln, wenn sie das nicht möchten. Man kann auch in einigen Metern Abstand verweilen und sich langsam im Kreis bewegen, so dass die Hunde die Markierungen und Duftstoffe gegenseitig aufnehmen können. Je nachdem wie neugierig oder schüchtern der neue Hund ist kann dieser erster kleine Spaziergang, bzw. die Zusammenführung wenige Minuten bis eine halbe Stunde dauern. Danach sollte man den gemeinsamen Weg in die Wohnung oder das Haus antreten. In der Wohnung wurde bereits im Vorfeld alles entfernt, was potentiell Streit auslöst, die Klassiker sind: Spielzeuge, Kauknochen, Futternapf, eventuell auch Körbchen. Dann kann die Erkundungstour beginnen.

 

Hinweis: diese Art der Zusammenführung ist für Ersthunde geeignet, die grundsätzlich verträglich mit Artgenossen sind und die es kennen, dass Hunde zu Besuch kommen. Ist der Ersthund solche Situationen nicht gewöhnt, dann sollte sie vor Ankunft des neuen Schützlings getestet werden.

Erkundung des neuen Zuhauses

Angekommen im neuen Zuhause sollte darauf geachtet werden, dass die Leinen erst abgenommen werden, wenn alle Türen und Fenster verschlossen sind. Es sind leider auch schon Hunde aus offenen Fenstern gesprungen. Sofern alles sicher ist kann der Hund das neue Zuhause entspannt und in seiner eigenen Geschwindigkeit erkunden. Dabei ist es empfehlenswert ihn einfach mal ausprobieren zu lassen. Man selbst kann sich eine Tasse Kaffee oder Tee machen und ganz entspannt auf den Boden setzen, so fällt die Kontaktaufnahme leichter. Für den neuen Schützling ist natürlich ein eigener Wassernapf und ein Körbchen vorbereitet. Wenn die erste Erkundungstour gemacht wurde, dann heißt es erst einmal: Ruhe einkehren lassen und entspannt den Alltag weiterverfolgen. Dabei kann man dem Hund einen Kauknochen oder eine kleine Menge Futter anbieten.

 

Für die Hunde ist es sehr entspannend, wenn die Besitzer ihren alltäglichen Aufgaben nachgehen und nicht die ganze Zeit vor dem Hund sitzen und ihn erwartungsvoll ansehen. Zwischendurch kann man sich immer mal wieder auf den Boden setzen und den Hund zu einem locken. Der Hund entscheidet selbst, ob er in diesem Moment Kontakt haben möchte oder nicht. Sollte er kommen, kann man ein kleines Leckerli aus der Hand anbieten oder mit langsamen und ruhigen Handbewegungen streicheln.

Was ist bei Angsthunden zu beachten?

Sehr ängstliche Hunde werden meist noch in der Transportbox in das neue Zuhause gebracht. Dort sollte die Box an einen ruhigen Ort gestellt werden. Wenn es sich um einen Käfig handelt ist es außerdem sinnvoll eine Decke über den Käfigs zu legen, damit der Hund sich etwas geborgener fühlt, wie in einer Höhle.

 

Nun kann man die Türe der Box oder des Käfigs öffnen und auch dauerhaft offen lassen. Frisches Wasser und Futter oder einen Kauknochen anbieten. Der Hund soll selbst entscheiden können ob und wann er aus der Box kommen möchte. Manchmal dauert es einige Tage bis die Hunde sich aus der Box heraus trauen. Oftmals passiert das dann in der Nacht, wenn sie sich unbeobachtet fühlen.

 

Als Mensch kann man gerne einen kleinen Leckerbissen in die Box legen, wenn man daran vorbei geht oder ein paar freundliche Worte verlieren. Wichtig ist, dass man keinen Druck bei dem ängstlichen Hund erzeugt. Der Hund muss weder Leckerlis aus der Hand nehmen, noch sich in der Box streicheln lassen. Das sollte in ganz kleinen Schritten aufgebaut werden. Auch hier hilft es meist am besten, wenn man dem normalen Alltag folgt und den Hund in Ruhe ankommen lässt.