Methoden in der Hundeerziehung

Vor einigen Jahren galt es noch als neu und innovativ, wenn man als Hundeschule oder Hundetrainer gesagt hat, dass man rein mit den Methoden der positiven Verstärkung trainiert. Kurze Zeit später wurde diese Aussage inflationär verwendet, leider sieht der Alltag oft anders aus. Es herrscht noch sehr viel Unwissenheit und Unverständnis über Strafreize und Verstärkung. Aber ich finde: wir Hundetrainer sind mittlerweile zu klug. Wir können uns nicht mehr damit herausreden, dass gewisse Methoden früher doch immer angewendet wurden und man selbst gute Erfahrungen damit machte. Es gibt einen aktuellen wissenschaftlichen Wissensstand, der Teil einer modernen Hundeerziehung ist, bzw. sein sollte. Es gibt einfach keine Ausreden mehr für die Verwendung von Strafreizen und Schreckmethoden in der Hundeerziehung, denn es gibt gut funktionierende Alternativen, die ohne ‚Nebenwirkungen’ auskommen und deutlich nachhaltiger wirken. Denn was alle Strafreize und Schreckmethoden miteinander gleich haben: man arbeitet nie an der Ursache eines Problems, sondern versucht lediglich die Symptome zu minimieren, in dem man sie dem Hund verbietet und damit Verhalten hemmt. Das bedeutet aber genauso, dass sich dieser Hund für seinen Frust, seine negative Energie oder seine Angst ein anderes Ventil suchen muss. Das können dann zum Beispiel körperliche Beschwerden oder aggressive Verhaltensweisen sein.

 

Ein Hund sollte immer mit Respekt, Liebe und Verständnis erzogen werden, natürlich auch mit der nötigen Kosequenz - diese gilt aber wohl eher dem Hundebesitzer in der Umsetzung eines gut aufgebauten Trainingsplans. Dabei muss darauf geachtet werden warum ein Hund gewisse Verhaltensweisen zeigt, damit man die Ursache erkennt und behandelt und nicht nur Symptome deckelt. Daher sind alle Formen von Gewalt, aversiven Hilfsmitteln und Schreckmethoden abzulehnen. Dazu zählen:

 

  • gewalttätiges körperliches Einwirken auf den Hund (Schläge, Knie hochziehen, in die Flanken schlagen, etc.)
  • Brüllen und Schreien, ständiges Schimpfen, „Nein-Aus-Pfui!“, Zischlaute
  • Leinenruck, Zughalsband, Stachelhalsband
  • Typische aversive Hilfsmittel: Wasserspritzen, Disc-Scheiben oder Ketten werfen, Erziehungshalsbänder mit Sprühstoß oder Strom, Rüttelboxen

 

Außerdem gibt es verschiedene weitere Hilfsmittel in der Erziehung, wie beispielsweise Erziehungsgeschirre oder Haltis. Von dem Gebrauch dieser Hilfsmittel ohne Abstimmung mit einem Hundetrainer ist ebenfalls abzusehen.

Die harmlosen Schreckmethoden

Viele Hundebesitzer unterschätzen die Wirkung von Wasserspritzen oder Disc-Scheiben, da sie dem Hund offensichtlich keine körperlichen Schmerzen zufügen. Dennoch ist ihr Einsatz absolut bedenklich, denn es macht Hunde nervös und unsicher, wenn sie in der Erwartungshaltung sind es könne zu einem Schreck kommen ohne zu wissen wann. Hunde zeigen ein Verhalten, weil es in dieser Situation für den Hund das einzig richtige zu sein scheint, daher kann er gar nicht davon ausgehen, dass für dieses Verhalten eine Strafe folgen wird. Oder sein Bedürfnis das Verhalten zu zeigen ist so groß, dass er nicht anders kann, obwohl er bereits gelernt hat, dass eine negative Konsequenz folgen wird. Wenn ein Hund sein Verhalten durch diese Art der Maßregelung unterbricht, dann haben die Hilfsmittel eine enorme Wirkung auf den Hund. Nur weil wir Menschen keine Schmerzen damit in Verbindung bringen, heißt das nicht, dass man einen Hund damit nicht nachhaltig und tiefgehend erschrecken kann. Sonst hätte diese Methode ja gar keine Wirkung.

Die Sache mit dem unerwünschten Verhalten

Es ist menschlich, dass Besitzer ihrem Hund mitteilen möchten was er nicht machen darf oder dass er in ihren Augen gerade etwas falsches getan hat. Es ist schwierig einem Hund verständlich zu machen, dass sein für ihn vollkommen nachvollziehbares Verhalten für uns unerwünscht ist. Wie kann ein Rüde verstehen, dass er der läufigen Hündin nicht nachsteigen soll? Woher weiß ein Hund, dass der halbe Kuchen auf dem Sofatisch nicht für ihn übrig gelassen wurde? Hunde verstehen das erst einmal nicht. Man kann ihnen lediglich über die Erziehung ein Alternativverhalten oder einen guten Gehorsam beibringen und dafür sorgen, dass der Hund insgesamt entspannt und ausgeglichen ist.

Die Sache mit dem erwünschten Verhalten

Ich spreche ungerne von Dingen, die der Hund falsch macht oder nicht machen darf. Ich spreche lieber davon, dass der Hund in gewissen Situationen Verhaltensweisen zeigt, die für den Besitzer unerwünscht sind. Allgemein sollte es das Ziel sein, dass der Hund die überwiegende Zeit des Tages erwünschtes Verhalten zeigt, denn ist das der Fall, bleibt gar nicht mehr so viel Zeit für unerwünschte Verhaltensweisen. Dafür kann gemeinsam mit einem Trainer daran gearbeitet werden das bestehende unerwünschte Verhalten auf ein Minimum zu reduzieren, so dass es letztlich selten dazu kommt, dass der Hund in das Verhalten verfällt und sollte es doch einmal passieren, dann muss der Besitzer in der Lage sein dieses für ihn unerwünschte Verhalten zu unterbrechen um wieder eine Situation mit erwünschtem Verhalten zu erzeugen. An dieser Stelle möchte ich alle Hundebesitzer kurz darum bitten sich zu überlegen welche unerwünschten Verhaltensweisen ihr Hund zeigt. Womöglich bellt er, wenn es an der Haustüre klingelt. Und nun bitte ich im zweiten Schritt zu überlegen wie oft und lang pro Tag das vorkommt. Bleiben wir bei meinem Beispiel und es klingelt 4 mal pro Tag, wobei der Hund jeweils für 30 – 60 Sekunden bellt. Wir sprechen hier also von 4 Minuten unerwünschtem Verhalten pro Tag. Da überwiegen die restlichen 23 Stunden und 56 Minuten doch eindeutig, da sind wir uns hoffentlich einig.

 

Natürlich darf und soll daran gearbeitet werden, dass der Hund kein übermäßig unerwünschtes Verhalten zeigt. Dennoch plädiere ich ganz stark dafür sich auch zu verdeutlichen wie viele Stunden am Tag der Hund vollkommen brav und angepasst ist. Warum sich also nicht darauf stürzen und den Hund mit Lob und positivem Umgang darin bestärken weiterhin so viel erwünschtes Verhalten zu zeigen? Nicht nur bei uns Menschen, auch bei Hunden sollte man sich auf die positiven Aspekte konzentrieren und die wenigen negativen versuchen auszugleichen, ohne ihnen zu viel Bedeutung im gemeinsamen Miteinander zukommen zu lassen.