Training mit Markerwort oder Markersignal. Eine Anleitung.

Hintergrund zum Markertraining: warum?

Der Erfolg eines guten Hundetrainings hängt maßgeblich davon ab, ob Mensch und Hund sich richtig verstehen. Da Menschen und Hunde unterschiedlich kommunizieren kann es genau daran oft scheitern im Training. Für eine erfolgreiche Kommunikation nutzt man also am besten Signale, die beide Seiten verstehen. Das Markertraining setzt genau hier an und ist daher so unglaublich hilfreich. Die Grundlagen von dem Einsatz und dem Konditionieren von Markern als Signal sind die klassische und operante Konditionierung. Für eine praxisnahe Anleitung muss man diesbezüglich allerdings nicht in die Tiefen der Theorie einsteigen.

 

Ein Markersignal kann ein Wort oder auch ein bestimmter Ton, wie der Klicker, sein. Als Wort eignen sich kurze, prägnate Worte, die man nicht im normalen Sprachgebrauch nutzt. Beispielsweise „TOP!“, „YES!“, „CKECK!“ oder tatsächlich auch „KLICK!“. Vor allem letzteres Markerwort nutzen viele Besitzer, die gerne mit dem Klicker arbeiten, aber zusätzlich ein Markerwort aufbauen möchten für den Fall, dass sie den Klicker nicht parat haben. Dadurch, dass all diese Markersignale sehr prägnant und immer gleichbleibend sind, reagieren die Hunde sehr gut darauf und können im Training konzentriert bleiben. Auch bei hibbeligen, unkonzentrierten Hunden kann man damit sehr große Erfolge erzielen.

 

Der Klicker ist dem Markerwort in einer Sache überlegen: auch in kritischen Situationen hört er sich immer gleich an, während bei einem Markerwort die Stimmlage unterschiedlich sein kann. Dennoch überwiegen die Vorteile bei einem Markerwort: man hat die Hände frei, man hat es immer „dabei“ und es ist weniger auffällig, als ein Klicker. Das macht das Markerwort deutlich alltagsfreundlicher und damit zum Favoriten. Wer fleißig ist sollte im besten Fall beides, also den Klicker und ein Wort als Marker aufbauen.

 

Mit einem konditionierten Marker kann man sehr punktuell und genau bestimmte Verhaltensweisen des Hundes markieren und damit entweder belohnen oder auch Situationen und Reize positiv belegen. Ein gut aufgebautes Markersignal überwiegt einer normalen Belohnung, denn es wirkt insgesamt wie ein Verstärker. Der Hund lässt sich damit in dem Bruchteil einer Sekunde in die Erwartungshaltung bringen nun eine tolle Belohnung zu erhalten. Dadurch lernen Hunde sehr schnell und sind extrem konzentriert bei der Sache. Außerdem lässt sich ein Marker auch auf die Distanz anwenden oder in Situationen, in denen man nicht direkt eine Futterbelohnung gehen kann oder möchte (z.B. bei Futterneid unter Artgenossen).

 

Der Marker dient dabei als Ankündigung einer Belohnung. Es folgt also immer eine Belohnung nach dem Signal, das kann eine Futterbelohnung sein, stimmliches Lob oder ein Spiel. Außerdem kann man Verhaltensweisen, die der Hund gerne zeigen möchte als Belohnung nutzen. Buddeln, Schnüffeln, ins Wasser rennen oder ähnliches. Man nutzt also im Grunde alles, was der Hund gerne mag, und baut darüber eine zielgerichtete Belohnung auf.

Anleitung zum Aufbau eines Markersignals: wie?

Anfangs kennt der Hund die Bedeutung des Markersignals noch nicht. Womöglich reagiert er dennoch aufmerksam auf den Klicker, das hat aber nur etwas mit einer ersten Neugier zu tun. Man muss dem Hund aktiv beibringen, dass nach dem Klick oder dem Markerwort immer etwas sehr positives für ihn folgt.

 

Man bereitet sich einige Leckerlis vor, die der Hund sehr gerne mag. Am besten legt man diese in eine Schüssel oder in einen Leckerlibeutel. Nun gibt man das Markersignal, also das Wort oder den Klick und greift danach zu einem Leckerli und gibt es dem Hund. Damit das Markersignal erfolgreich aufgebaut wird ist es sehr wichtig, dass diese Schritte nacheinander und nicht gleichzeitig passieren. Also: Markersingal – Griff zu Leckerli – Leckerli Hund geben. Der meist gesehene Fehler ist, dass der Besitzer das Leckerli bereits zu Früh in der Hand hält oder die Hand schon im Leckerlibeutel steckt. Gerne kann man auch mit stimmlichem Lob begleiten, also: Markersingal – stimmliches Lob – Griff zum Leckerli und Hund geben.

 

Tag 1-3:

In den ersten Tagen empfiehlt es sich 3-4 mal pro Tag diese Konditionierung durchzuführen, jeweils mit circa 10 Leckerlis, danach wird wieder eine Pause gemacht.

 

Tag 3-7:

In den nächsten Tagen kann man das Markersignal mit bereits bekannten Kommandos verknüpfen. Man gibt dem Hund also zum Beispiel das Kommando, dass er sich absetzen oder ablegen soll und markiert dann genau das gezeigte Verhalten und belohnt es. Die Abfolge ist: Kommando „Sitz“ – Hund setzt sich – Markersignal – Griff zum Leckerli und Hund geben. Gerne mit stimmlichem Lob begleiten. Dabei kann und sollte man mit der Belohnung variieren. Man kann eine Futterbelohnung aus der Hand geben oder 1-2 Meter werfen, so dass der Hund hinterher springen kann. Außerdem kann man ein Spielzug zur Belohnung geben oder einen Futterbeutel werfen, falls der Hund das bereits kennt. Auf jeden Fall sollte man zwischen den unterschiedlichen Belohnungen variieren, weil das Markersignal damit noch besser als Verstärker wirken kann. Man kann es sich wie einem bunten Blumenstrauß aus verschiedenen Belohnungen vorstellen und man bedient sich immer mal wieder unterschiedlicher Belohnungen. Setzt man dabei noch das eigene stimmliche Lob an, dann lädt man dieses ebenfalls noch zusätzlich positiv auf.

 

Ab Tag 7:

Nach einer Woche Training sollte der Hund das Signal bereits positiv verknüpft haben. Nun ist es empfehlenswert das Signal vor dem Training oder vor Spaziergängen mit 5-10 Wiederholungen wieder ganz aktiv in Erinnerung zu rufen. Danach kann man es dann einfach zur Belohnung einsetzen.

 

Auch zukünftig bleibt es dabei, dass das Markersignal eine Belohnung ankündigt, es muss also auch immer eine Belohnung folgen. Das Signal allein ersetzt nicht die Belohnung, sondern kündigt sie nur an.

Anwendung des Markersignals: wann?

Das konditionierte Markersignal kann man grundsätzlich immer im Alltag mit dem Hund anwenden, bei allem, was der Hund toll gemacht hat und ganz gezielt auch bei Kommandos, die dem Hund noch schwer fallen. Man setzt es einfach immer vor eine Belohnung und kündigt diese damit an. Dadurch, dass vor allem das Markerwort sehr unkompliziert in der Anwendung ist kann man es problemlos immer anwenden. Wenn der Hund warten soll bevor er an den Fressnapf geht zum Beispiel oder wenn er kurz neben dem Auto warten soll, während man den Kofferraum einräumt. Es gibt unzählige Situationen. Neben der Anwendung im normalen Alltag findet es natürlich auch Anwendung im gezielten Hundetraining. Beim Aufbau eines neuen Kommandos oder auch im Training an der Leine, mit Artgenossen oder mit für den Hund schwierigen Reizen.

 

Das Markersignal dient dabei nicht nur als Belohnung für erwünschtes Verhalten, sondern kann auch gezielt unangenehme Reize positiv belegen. Dafür gibt es beispielsweise das Prinzip „Klick-für-Blick“. Hat ein Hund Probleme mit Kindern, so kann man jeden Blick des Hundes zu einem Kind markieren und dann belohnen. So wird das Kind für den Hund positiv verknüpft (immer wenn man ein Kind sieht bekommt man eine tolle Belohnung) und der Hund erhält die Tendenz nicht zum Kind zu gehen, sondern sich seinem Besitzer zuzuwenden, denn von diesem kommt ja die Belohnung.

 

In der aktuellen Hundeerziehung wird ein Markersignal sogar dann eingesetzt, wenn der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt, um dieses zu unterbrechen und die Situation mit einer positiven Erwartungshaltung zu verknüpfen. Bleibt man bei dem Beispiel mit dem Kind könnte es so ablaufen: der Hund sieht ein Kind und bellt direkt beim ersten Blick. Auch dann kann man mit dem Markersignal reagieren, der Hund unterbricht das unerwünschte Verhalten, wendet sich dem Besitzer zu und bekommt dafür die Belohnung. Das Ziel ist, dass die Hunde zukünftig nur noch kurzzeitig oder gar nicht mehr das unerwünschte Verhalten zeigen, sondern die Verhaltenskette entwickeln: auf Kind folgt Besitzer ansehen folgt Belohnung.

 

Grundsätzlich ist es empfehlenswert ein gut aufgebautes Markersignal auch zur Unterbrechung von unerwünschtem Verhalten einzusetzen, aber man sollte das durchaus vorsichtig machen und im besten Fall mit einem Hundetrainer abstimmen, der mit Markersignalen arbeitet und die Situation kennt. Denn man möchte vermeiden einen erhöhten Erregungszustand eines Hundes durch den Marker zu verstärken.

 


hinweis zum training

Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass eine schriftliche Anleitung nie das Gespräch mit einem Hundetrainer ersetzt. Nicht bei allen Hunden hilft die hier beschriebene Anleitung, denn es können noch weitere Gründe für unerwünschtes Verhalten oder Probleme des Hundes vorliegen, die nicht auf den ersten Blick offensichtlich sind. Außerdem ist es im Hundetraining wichtig jeden Hund und jede Mensch-Hund-Lebenssituation individuell zu betrachten und die Hundeerziehung darauf abzustimmen. Vor allem unerfahrenen Hundebesitzern ist es zu empfehlen mit einem ausgebildeten Trainer zusammen zu arbeiten. Gerne stehe ich bei Fragen zum Thema Hundetraining oder zur Suche nach einem geeigneten Hundetrainer zur Verfügung, bitte einfach Kontakt aufnehmen.